Projektmanagement für Verlage & Autoren


Wie Sie ein Fachbuch schreiben (5): mit Buch und Verlag arbeiten

Category : Fachbuch · No Comments · by 4. März 2014

Dies ist der letzte Artikel meiner Blogserie „Wie Sie ein Fachbuch schreiben“. Bislang sind die folgenden Artikel erschienen:

Bevor Ihr Buch im Handel erhältlich ist
Sie halten also Ihr gedrucktes Buch in der Hand und haben entweder gleich die ersten Fehler gesucht (und prompt gefunden) oder doch lieber das Debüt gefeiert. Iritierenderweise ist Ihr Buch aber noch nicht im Handel erhältlich – denn zwischen dem Termin der Auslieferung der Bücher an den Handel und dem Moment ihrer Verfügbarkeit im (virtuellen) Buchregal kann mehr als eine Woche liegen. Das gibt Ihnen Zeit, die folgende Checkliste abzuarbeiten:

  • prüfen Sie, ob Ihr Buch bei Amazon und auf der Verlagswebsite korrekt beworben wird – stimmen Cover, Preis sowie die Texte zum Inhalt und zu Ihnen als Autor? wenn nicht, bitten Sie Ihren Lektor um Korrektur (diese Einträge speisen sich aus Datenfeeds, die die Verlage ein- oder mehrmals wöchentlich an Amazon & Co. schicken)
  • bitten Sie den Verlag, (von Ihnen) ausgewählte Experten oder Rezensenten mit Vorzugsexemplaren zu bestücken
  • verlinken Sie auf Ihrer Website auf Ihr Buch (netterweise – auch – auf die Website Ihres Verlages, der Ihnen dafür eine Beteiligung an den so generierten Umsätzen einräumen sollte, Stichwort „Affiliate-Programm“)
  • bitten Sie Ihren Lektor um ein PDF des Inhaltsverzeichnisses und eines Schnupperkapitels, die Sie auf Ihrer Website zum Download anbieten
  • legen Sie eine Autorenseite bei Amazons Author Central an
  • fragen Sie Ihren Lektor nach Höhe der Erstauslieferung und bitten Sie um Updates zu den (Wochen später) folgenden Durchverkäufen (vermutlich müssen Sie aber regelmäßig nachfragen)

Sobald Ihr Buch im Handel erhältlich ist
Es ist leider so: mehr Aufmerksamkeit als anlässlich seines Erscheinens wird Ihrem Buch vermutlich nie wieder zuteil – weder im Handel, noch im eigenen Verlag. Das liegt u.a. daran, dass der Buchhandel größtenteils novitätengetrieben ist, also auf Neuerscheinungen fokussiert (die Frontlist). Die Verlage stecken entsprechend wenig Zeit und Geld in Vermarktung und Vertrieb bereits erschienener Titel (die Backlist). Der klassische Verkaufsverlauf eines Buches ähnelt dann auch einer mehr oder weniger deutlich abfallenden Kurve (es sei denn, der Titel entwickelt sich zu einem Überraschungserfolg oder sogar Bestseller). Diese nachlassende Kundennachfrage lässt sich mit Verlagsmarketing nur abfedern, nicht umkehren. Kurz: Es ist wichtig, dass Ihr Buch den bestmöglichen Start hat. Dabei spielen Rezensionen und persönliche Empfehlungen eine große Rolle.

Rezensenten finden
Ist Ihr Buch endlich erhältlich, lautet die spannende Frage natürlich: was denken die Leser? Wenn Sie in Ihrem Buch eine Kontakt-E-Mail-Adresse angegeben haben, werden Sie auf diesem Wege früher oder später Rückmeldung erhalten. Allerdings sieht die außer Ihnen niemand – weshalb es wichtig ist, dass Ihr Buch öffentlich auf amazon.de, auf Community-Blogs, in Fachzeitschriften rezensiert wird etc. Helfen Sie Ihrem Verlag, Rezensenten zu finden, besser noch: maßgebliche Rezensenten, deren Meinung gehört wird. Persönliche Empfehlungen sind in Zeiten sozialer Netzwerke so wertvoll wie nie zuvor. Und Amazon ist Pflichtprogramm: Buchexemplare für Amazon-Rezensionen zu verschicken hat nichts Ehrenrühriges und sollte möglichst schnell nach Erscheinungstermin geschehen (bevor Ihnen ein Rezensionstroll den Start verhagelt). Denken Sie daran, dass Rezensionen nicht unter das Zitaterecht fallen, sondern Sie zu ihrer Wiedergabe das Einverständnis des jeweiligen Rechteinhabers einholen müssen.

Ein naheliegender Weg, Aufmerksamkeit in der Community und wohlgesonnene Leser zu gewinnen, sind kleine Wettbewerbe um Ihr Buch wie z.B. Verlosungen – über Ihre oder die Website des Verlages sowie die großen Social Media-Plattformen –, Vorabdrucke in Community-nahen Medien etc. Stimmen Sie Ihre eigenen Social Media-Aktivitäten mit denen Ihres Verlages ab, um möglichst effektiv für Ihr Buch zu werben.

Mit Leserfeedback arbeiten
Die Rückmeldungen Ihrer Leser sind aus zwei Gründen wertvoll. Zum einen, weil auf diesem Wege ein Teil der Errata zu Ihrem Buch zusammenkommt, die es unweigerlich geben wird (und die Sie und der Verlag online stellen sollten). Zum anderen, weil Sie so einen direkten Draht zu Ihren Lesern etablieren. Dies ist der Moment, in dem Sie den Kontakt fortsetzen, den Sie beim Konzipieren und Schreiben Ihres Buches durch die Leserbrille ins Blaue hinein aufgebaut haben. Nun treten Sie in Austausch mit Ihren echten Lesern, die tatsächlich Zeit und Geld in Ihr Buch investiert haben! Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Ihre Vorstellungen der Zielgruppe nachzujustieren und soviel Anregungen und Kritik aufzunehmen wie möglich. Würdigen Sie dieses Feedback so, dass Ihre Leser sich beteiligt fühlen. Der Austausch zwischen Ihnen und Ihren Lesern kann aus diesen Fans machen – und aus Ihnen einen besseren Autor. Nicht nur Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter sind der ideale Ort, um diese Interaktion zu einem anhaltenden Dialog auszubauen. Nutzen Sie auch regelmäßig Amazons Kommentarfunktionen, um auf Rezensionen Ihrer Leser zu reagieren.

Ihr Verlag als Plattform und Netzwerk
Verlage haben kein Publishing-Monopol mehr inne, verfügen aber immer noch über eine recht exklusive Anziehungskraft als Plattform und Netzwerkknoten für ihre Autoren. Ein guter Verlag tut dies, indem er für Austausch innerhalb seiner Autorencommunity sorgt (z.B. auf Autorenevents), seinen Autoren Redner-Slots auf Konferenzen verschafft, vielleicht sogar kleine Weiterbildungen anbietet und Brücken zu anderen Medien baut (Ihnen also Auftritte in Zeitung, Radio oder sogar Fernsehen ermöglicht). Kurz: ein guter Verlag investiert nicht nur in Bücher, sondern auch in seine Autoren – er baut sie auf und pflegt seine Beziehung zu ihnen über die Honorarüberweisungen hinaus.

Im ungünstigsten Fall überlässt Ihr Verlag diese Aufgabe allein dem Engagement seiner Lektoren – prüfen Sie, ob Ihnen das ausreicht. Wenn Ihr Verlag nicht auf die eine oder andere Weise Autorenpflege betreibt, wird dies auch Auswirkungen auf das Autorenumfeld haben, in dem Sie sich dort sehen (und das möglicherweise Ihre Entscheidung für diesen Verlag beeinflusst hat).

Nachdruck oder Neuauflage?
Ob Ihr Buch erfolgreich ist oder nicht, zeichnet sich erst nach ein paar Wochen ab. Dann gehen statt Nachbezügen im Rahmen der Erstauslieferung echte Nachbestellungen im Warenwirtschaftssystem Ihres Verlages ein – die sogenannten Durchverkäufe. Diese zeigen, dass Ihr Buch wirklich gekauft wird (bis dahin gibt es keine echten Umsätze, denn Bücher sind in der Regel Kommissionsware: was der Buchhändler nicht verkauft, kann er an den Verlag zurückschicken – remittieren). Spätestens nach ein paar Monaten, maximal nach einem halben Jahr lässt sich dann sagen, ob Ihr Buch sich den Erwartungen entsprechend entwickelt. Fragen Sie Ihren Lektor nach seiner Einschätzung der Umsatzzahlen – und ob es sinnvoll ist, sich mittelfristig Gedanken um eine Weiterführung des Buches, also eine Neuauflage (Überarbeitung mit neuer ISBN) bzw. einen korrigierten Nachdruck (Überarbeitung ohne neue ISBN) zu machen.

Während Nachdrucke Ihr Buch lediglich verfügbar (und dank kleiner Justagen aktuell) halten, behandelt Ihr Verlag die Neuauflage Ihres Buches ähnlich einer Erstauflage: Neuankündigung im Buchhandel inkl. neuer ISBN und Vorverkauf mit Vormerkern, ggf. aktualisierter Titel sowie ein neues Cover. Voraussetzung ist natürlich, dass die Lagerbestände Ihres Buches ausreichend abverkauft sind. Neuauflagen sind in der Regel inhaltlich motiviert: Thema und Zielgruppe Ihres Buches haben sich weiterentwickelt, der Markt hat sich – auch durch Konkurrenztitel – verändert, Ihr Buch muss ggf. sogar neu positioniert werden. Es geht nicht darum, Ihr Buch neu zu schreiben (schließlich haben Sie dank des bestehenden Inhalts auch einen Zeitvorteil), aber überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Lektor, wie Ihr Buch den genannten Veränderungen Rechnung tragen kann. Bitten Sie ihn dann um Bereitstellung der aktuellsten Buchdaten (die auch die Korrekturen aus der Satzfahne enthalten), um Ihre Inhalte effektiv und zeitnah überarbeiten zu können.

Ihr weiter(er) Weg als Autor
Hinter Ihnen liegt die enorme Leistung des Buchschreibens, im Zuge derer Sie Ihr Wissen nicht nur öffentlich unter Beweis gestellt, sondern es auch ausgebaut und verfeinert haben. Der Erfolg Ihres Buches unterstreicht Ihren Expertenstatus – was machen Sie nun damit? Hier zum Abschluss ein paar Vorschläge:

  • verlinken Sie Ihr Buch an prominenter Stelle auf Ihrer Website, Ihrem Social Media-Account und in Ihrer E-Mail-Signatur
  • posten Sie (in Absprache mit Ihrem Verlag) Ausschnitte Ihres Buchs auf Ihrer Website und promoten Sie diese im Rahmen Ihrer Contentstrategie über Ihre Social Media-Accounts
  • adaptieren Sie (in Absprache mit Ihrem Verlag) Texte Ihres Buches für Veröffentlichungen in zielgruppennahen Medien (Zeitschriften, Websites)
  • bundlen Sie Ihr Buch mit Ihren Trainings-/Seminarangeboten (lassen Sie sich vom Verlag Bestellformulare schicken, um größere Nachfrage abzufangen)
  • bewerben Sie sich mit Ihrem Buch bei Redneragenturen als Konferenzspeaker
  • lassen Sie Visitenkarten mit dem Cover Ihres Buches drucken (z.B. bei moo.com) – als Beilage für Briefsendungen oder als Give-away

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (4): Schreiben des Manuskripts

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 25. Februar 2014

Bislang in dieser Blogserie erschienen:

Letzter Beitrag:

Nun geht es also los! Sie haben den Verlagsvertrag mit einem Abgabetermin und einer Seitenanzahl unterschrieben. Ihr Lektor hat Ihnen eine Dokumentvorlage geschickt, auf der Sie Ihre Texte aufsetzen (hoffentlich mit einer Anleitung, wie die Formate zu vergeben sind). Sie wissen also, was Sie wie und wann liefern müssen. Wenn nicht, ist jetzt der beste Zeitpunkt, sich bei Ihrem Lektor zu erkundigen. Ein Manuskript vom Verlag zurückzuerhalten mit der Bitte um  Überarbeitung oder gar Kürzung ist ungefähr das Letzte, was Sie sich nach der anstrengenden Schlussphase des Schreibens wünschen.

Denn tatsächlich heißt es in den Verlagsverträgen „Manuskriptannahme„, und nicht „-abgabe“. Hier die Top 5 der formalen Manuskriptmängel, aufgrund derer Lektoren die Annahme Ihres Textes verweigern können:

  • Indexmarken nicht vergeben
  • Abbildungen falsch eingebunden (eingebettet statt verlinkt) oder im falschen Format bzw. in zu geringer Auflösung
  • Abbildungsrechte nicht geklärt
  • Formatierungen „hart“, also nicht über die Dokumentvorlage vergeben
  • vereinbarte Seitenzahl nicht eingehalten

Um all dies zu vermeiden, ein Tipp: wenn es der Verlag nicht ohnehin verlangt, vereinbaren Sie mit Ihrem Lektor einen ProbesatzHierzu reichen Sie irgendein Kapitel fertig bebildert, formatiert und indiziert ein. So können Sie auch eine Relation zwischen der Seitenzählung Ihrer Textverarbeitung und der im angestrebten Layout (Umbruch) herstellen. Auch wenn Ihr Lektor Ihnen über den Projektverlauf regelmäßig Feedback zu Ihren Texten gibt – gerade eine zu hohe Seitenmenge fällt erst auf, wenn es zu spät ist. Wenn die höhere Seitenzahl dann den kalkulatorischen Rahmen sprengt, müssen Sie kürzen. Und das tut richtig weh.

Wie fangen Sie an?
Bevor Sie auch nur eine Zeile schreiben, müssen Sie den Inhalt Ihres Manuskripts genau planen. Dafür arbeiten Sie die Gliederung aus Ihren Projektexposé (siehe Teil 2) weiter aus – hinab bis auf die dritte Überschriftenebene. Gehen Sie dabei genau so vor wie bei der Erstellung Ihrer Grobgliederung. Fragen Sie sich stets, welche Lernziele die Leser innerhalb der Kapitel erreichen müssen, um für das nächste Kapitel gewappnet zu sein. Dieses nächste Kapitel baut seinerseits auf Lernzielen auf, die Ihre Leser wiederum für das nächste Kapitel fit machen. Es ist ein bisschen so, als würden Sie aus vielen kleinen Lernkurven (den einzelnen Kapiteln) eine große Lernkurve (das fertige Manuskript) zusammenbauen.

Das Inhaltsverzeichnis als Skizze Ihres Buches
Diese Feingliederung wird in großen Teilen dem späteren Inhaltsverzeichnis Ihres Buches entsprechen. Und je aussagekräftiger dieses Inhaltsverzeichnis ausfällt, desto einfacher machen Sie den Kunden die Entscheidung für Ihr Buch. Achten Sie also jetzt schon darauf, in Ihren Überschriften Verben und das im jeweiligen Absatz wichtigste Schlüsselwort zu verwenden. Wenn nötig, untergliedern Sie Ihren Inhalt stärker, aber ohne ihn zu zergliedern (viele Fachbuchverlage erlauben bis zu fünf Überschriften, was ich für zu kleinteilig halte). Ihr Inhaltsverzeichnis soll beim Reinblättern/-klicken übersichtlich wirken und einen schnellen, skizzenartigen Überblick über den Buchinhalt erlauben.

Schreiben Sie immer mit einem Auge auf diesem Gerüst und halten Sie sich an die hier formulierten Lernziele (es sei denn, Sie müssen im Sinne des übergeordneten Lernzieles vom gesteckten Pfad abweichen). Wenn eine Information nicht zum Lernziel beiträgt, verzichten Sie auf sie. Wenn eine Information relevant, aber zu umfangreich ist, referenzieren Sie sie später im Text über einen URL.

Übrigens ist es eine gute Idee, anhand der Feingliederung noch einmal Ihren Zeitplan durchzugehen. Welche Kapitel schreiben sich schneller, wo stecken die Zeitfresser? Natürlich müssen Sie nicht chronologisch schreiben, Ihre Feingliederung erlaubt Ihnen auch, zu springen. Jedes Manuskript hat seine Pflicht- und seine Kürkapitel – teilen Sie sich beides abhängig von Ihrer persönlichen Schreibform ein (ohne dabei mehrere Baustellen aufzumachen).

Wie Sie schreiben
Gerade wenn Sie das erste Mal für eine große Leserschaft schreiben, wird es Ihnen schwer fallen, den richtigen Ton zu treffen. Wie kommt beim Leser an, wie & was Sie schreiben? Lassen Sie sich von diesem Gedanken nicht einschüchtern. Flüchten Sie sich nicht in einen unpersönlichen, womöglich akademischen Schreibstil. Sie sind Autor, nicht Professor. Und als solcher sprechen Sie mit Ihren Lesern auf Augenhöhe, nicht vom Podest herab. Ihre Autorität als Autor steht und fällt mir Ihrer Fähigkeit, verständlich zu erklären.

Für Ihren Stil heißt das: schreiben Sie kurze, verständliche Sätze (mit nicht mehr als einem Nebensatz), vermeiden Sie passive Konstrukte, sprechen Sie Ihre Leser direkt an. Folgen Sie der in Ihrem Gebiet etablierten Fachsprache (denn auch die sollen Ihre Leser erlernen), aber vermeiden Sie Slang. Seien sie locker, ohne flapsig zu sein. Formulieren Sie ruhig mal aus der Ich-Perspektive, um als Autor präsent zu sein. Und seien Sie authentisch – in Zeiten sozialer Netzwerke ist Ihre Persönlichkeit als Autor nach Ihrem Wissen Ihr höchstes Gut. Gerade, wenn Sie Ihr Buch als Marketinginstrument einsetzen wollen, sollen Sie darin auch mit Ihrer eigenen Stimme sprechen. Sie wollen wiedererkennbar sein.

Leser sind Gesprächspartner
Vielleicht hilft es Ihnen beim Schreiben, wenn Sie sich einen einzelnen Ihrer Leser als Gesprächspartner vorstellen. Schreiben Sie so, als würden Sie mit ihm sprechen. Ihr Leser ist interessiert und willens, Ihnen zuzuhören. Seine Aufmerksamkeit ist kostbar und begrenzt. Kommen Sie auf den Punkt und lockern Sie Ihre Texte z.B. durch Praxisbeispiele auf, anstatt Ihren Leser mit Hintergründen und Exkursen zu langweilen. Überprüfen Sie das Geschriebene: können Sie noch genauer und kompakter formulieren? Schaffen Sie durch Ausblicke sowie Vor- und Rückbezüge Orientierung im Stoff. Bieten Sie Belohnungen für Ihre Leser an, indem Sie Erfolgserlebnisse schaffen – entweder mit kleinen Workshops, Wissensüberprüfungen oder (wenn das Buchformat nichts anderes erlaubt) einem Rückblick auf das schon Gelernte. Nichts ist für Ihre Leser motivierender als den eigenen Lernerfolg zu sehen.

Einmal auf auf Augenhöhe mit Ihren Lesern, können Sie viel leichter deren Sicht der Dinge einnehmen. Ihnen als Experten mag es merkwürdig vorkommen, Ihr Wissen durch die Leserbrille zu betrachten – tatsächlich ist es Ihre einzige Chance, relevant zu sein (Sie erinnern sich?). Wissen zu vermitteln heißt heute: Wissen zielgruppengerecht aufbereiten. Sonst kann Ihre Zielgruppe ja gleich googlen. Versuchen Sie daher so gut wie möglich, sich in Ihre künftigen Leser hineinzuversetzen und zu verstehen, was genau sie warum lernen müssen.

Halten Sie Ihre Leser bei (Lern-)Laune. Wer gern lernt, lernt leicht. Und genau das wollen Sie als Autor: Ihren Lesern das Lernen leicht machen. Auch wenn Sie selbst sich Ihr Wissen mit viel Zeit & Mühe angeeignet haben – Ihre Leser sollen es besser haben!

Bevor Sie anfangen: ein paar Tipps
Mit dem Schreiben ist es wie mit allen anderen kreativen Tätigkeiten: für den Erfolg braucht es sehr viel Disziplin und Planung. Wenn Sie zum ersten Mal ein Buch schreiben, könnten Ihnen die folgenden Tipps helfen:

  • Setzen Sie sich feste Zeiten, zu denen Sie möglichst ungestört schreiben können. Befolgen Sie diesen Zeitplan, auch wenn Sie keine Lust zum Schreiben haben.
  • Planen Sie in Ihrem Zeitplan einen großen Puffer ein. Egal, an welchen Zeitraum sie denken: verdoppeln Sie ihn. Zum Ende hin wird die Arbeit am Manuskript immer komplexer und mühsamer, d.h. Sie werden nicht die inhaltlichen Fortschritte wie zu Beginn machen. Setzen Sie für diesen Puffer nicht auf Urlaube oder Feiertage – Buch hin oder her, Sie brauchen Ihre Erholungszeiten (und Ihre Familie oder Partner brauchen Sie).
  • Wenn Ihnen das Schreiben leicht fällt, schreiben Sie, soviel Sie können. Es kommen auch andere Zeiten. Und wenn Sie mal eine Schreibblockade lähmen sollte, finden Sie auf dem Blog von „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann wertvolle Tipps zur Re-Mobilisierung.
  • Formatieren und indizieren Sie nicht beim Schreiben – dies und andere formale Dinge wie den Einsatz der Rechtschreibprüfung sollten Sie sich für die weniger kreativen Momente aufheben, in denen es mit dem Schreiben nicht so gut klappt. Idealerweise formatieren und indizieren Sie Ihr Manuskript zum Schluss (außer für das Probekapitel) – dann haben Sie den besten Überblick über das Geschriebene.
  • Lesen Sie Ihre Texte nicht zu oft gegen – sonst verlieren Sie das Gefühl für den Inhalt. Geben Sie den Text lieber anderen zum Gegenlesen.
  • Überprüfen Sie regelmäßig, wie Sie mit dem Geschriebenen im Zeitplan stehen. Informieren Sie Ihren Lektor rechtzeitig, wenn die Zeit nicht reichen wird – kurz vor der Manuskriptabgabe kommt die Info zu spät, denn dann ist Ihr Buchprojekt schon im Werbevorlauf.
  • Starten Sie nicht mit der Einleitung (die schreiben Sie zum Schluss).
  • Stellen Sie sich beim Schreiben Ihre Leser vor – als konkrete Vertreter Ihrer Zielgruppe, mit einem Gesicht, einer Vita und einem Lernziel. Dies kann Ihnen helfen, sich beim Schreiben auf die wirklich relevanten Inhalte zu fokussieren.

Zwischen diesem und dem nächsten Artikel liegt die Arbeit des Manuskriptschreibens. Wenn Sie die erfolgreich hinter sich gebracht, Ihre Korrekturen zu den Satzfahnen beigesteuert und vielleicht schon die Belege Ihres Buches erhalten haben, ist Ihr Buchprojekt aber noch nicht beendet. Denn nun können Sie mit Ihrem Buch und Ihrem Verlag arbeiten – und darum geht es im nächsten und letzten Artikel dieser Blogserie.

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (3): Verlag suchen und finden

Category : Fachbuch · No Comments · by 17. Februar 2014

Bereits in dieser Blogserie erschienen:

Die nächsten Beiträge:

Mit Ihrer Gliederung und den Ergebnissen Ihrer Marktanalyse können Sie nun auf Verlagssuche gehen. Sprechen Sie nur mit Verlagen, die zu Ihrem Thema passen und noch kein Buch wie das von Ihnen angedachte im Programm haben (Sie haben sich ja bei Ihrer Amazon-Recherche in Teil (1) die Verlage notiert …?).

Einen Ansprechpartner finden
Am einfachsten ist es, auf Ihrem oder dem Regal Ihres Buchhändlers die Impressumsseiten der Bücher Ihrer Wunschverlage nach Lektoratskontakten zu durchsuchen. Oder Sie suchen auf den Webseiten der Verlage nach Stichworten wie „Autor werden“, „Lektorat“ etc. Wenn Sie hier nicht fündig werden, suchen Sie bei XING oder LinkedIn nach Ansprechpartnern – oder googlen einfach. Haben Sie dann alle gewünschten E-Mail-Adressen oder sogar Telefonnummern, treten Sie – gut vorbereitet – in Kontakt. Schildern Sie dem Lektor Ihre Buchidee, skizzieren Sie die Zielgruppe und argumentieren Sie mit den Ergebnissen Ihrer kleinen Marktforschung. Ist der Lektor interessiert, mailen Sie ihm direkt nach dem Gespräch Ihre Gliederung (mit ein paar Infos, die Ihre Kompetenz unterstreichen). Vereinbaren Sie eine Evaluierungsfrist und haken Sie erst nach, wenn diese ohne Rückmeldung verstrichen ist.

Der Entscheidungsweg im Verlag
Ist der Lektor interessiert, ist das aber noch keine Zusage. Trotzdem wird er mit Ihnen schon die Eckwerte des Projekts, den Zeitplan, das Abgabeformat (meist MS Word) sowie Ihr Honorar verhandeln, um das Projekt auf sein wirtschaftliches Potential hin durchrechnen zu können. Diese Projektkalkulation bildet zusammen mit Gliederung und Marktanalyse das Exposé, das der Lektor dann der Verlagskonferenz vorlegt. Die Verlagskonferenz setzt sich in der Regel aus den führenden Köpfen von Lektorat, Marketing und Vertrieb sowie der Verlagsleitung zusammen und entscheidet über Zu- oder Absage (auch für erfahrene Lektoren nicht immer vorhersehbar). Unterstützen Sie Ihren Lektor im Vorfeld der Verlagskonferenz mit Informationen und stärken Sie seinen Glauben an das Projekt. Ihr Lektor ist ein Stück weit Ihr Verbündeter und sollte von Ihrer Buchidee überzeugt sein. Davon kann abhängen, ob eine Ablehnung seines Projektvorschlags durch die Verlagskonferenz das Ende für Ihre Buchidee bedeutet – oder aber eine erfolgreiche Wiedervorlage nach Änderung einiger Eckwerte.

Verhandeln Sie alle relevanten Punkte durch, bevor Ihr Lektor mit Ihrem Projekt in die Verlagskonferenz geht. Hier die wichtigsten:

  • Honorar (prozentuale Beteiligung am Umsatz oder Festhonorar? wenn prozentuale Beteiligung, gibt es dann für eBooks mehr Honorar? wichtig für das Honorar sind natürlich der Buchpreis und die voraussichtlich verkaufte Auflage, siehe dazu die Exkurse zu Autorenvertrag sowie Buchpreis und Honorar; außerdem: wann zahlt der Verlag aus – quartärlich, halbjährlich, jährlich? und: gibt es einen Vorschuss? dieser wird in der Regel mit dem Honorar verrechnet, sollte aber niemals rückzahlbar sein)
  • Ausstattung (Seitenzahl, Format, Schwarzweiß/Farbe, Papierqualität Offset oder Bilderdruck, Hardcover/Broschur, Umschlag, zusätzliche Medien wie CD/DVD, Einlegekarte, Website zum Buch etc. – vieles hiervon liegt in der Entscheidung des Verlages, Sie als Kenner der Zielgruppe Ihres Buches können diese allerdings maßgeblich beeinflussen; argumentieren Sie auch mit der ggf. besser ausgestatteten Konkurrenz)
  • Buchpreis (mit bestimmend für Ihr Honorar, seine Festlegung ist aber Sache des Verlages)
  • Auflage (der Verlag wird sich von Ihnen auf keine Auflage festlegen lassen – allerdings haben Sie ein Recht darauf, die Auflagenhöhe zu erfahren, denn sie ist ebenfalls mit bestimmend für Ihr Honorar; wichtig ist die „voraussichtlich verkaufte Auflage“, mit deren Absatz der Verlag über die Lebenszeit des Buches tatsächlich rechnet – wenn der Verlag Ihnen beispielsweise eine Honorarstaffel anbietet, bei der Sie ab 2.000 verk. Ex. 2% mehr Honorar erhalten, ist dies nur interessant, wenn der Verlag selbst an diesen Mehrabsatz glaubt; schließlich könnte der Verlag auch so wenig drucken, dass Sie weder eine gute Sichtbarkeit im Handel noch ein gutes Honorar erhalten; außerdem interessant ist, wieviele E-Books der Verlag zu verkaufen glaubt – das Thema Auflage spielt hier natürlich keine Rolle:))
  • Eigenbelege (unabhängig davon, ob Sie 5, 10 oder mehr kostenlose Exemplare Ihres Buches vom Verlag erhalten – Ihr Lektor wird Ihnen sicher gern ab und zu ein weiteres zuschicken; für größere Bestellungen sollten Sie einen Autorenrabatt von mindestens 30% erhalten)
  • Ausnahmeklauseln im Vertrag (wenn Sie beispielsweise Teile des Inhaltes für eigene Zwecke parallel verwenden oder sich Rechte für eine bestimmte Sprache vorbehalten möchten)

Rechnen Sie insgesamt mit mehreren Wochen, bis eine Entscheidung gefallen ist. Bieten Sie parallel bei anderen Verlagen an, sagen Sie dies offen und bitten Sie dort solange um Aussetzung der Entscheidungsprozesse. Mehrere Zusagen zum gleichen Projekt sind keine komfortable Verhandlungsposition, sondern beschädigen das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und den Verlagen.

Wenn der Verlag absagt
Wenn der Lektor (oder die Verlagskonferenz) Ihre Buchidee ablehnt, gehen Sie zum nächsten Verlag auf Ihrer Liste und führen das gleiche Gespräch oder den gleichen Mailwechsel von vorn. Geben Sie nur auf Nachfrage zu, dass Ihr Vorschlag anderorts schon mal abgelehnt wurde (es hängt vom Selbstbewusstsein des Lektors ab, wie weit er sich an der Konkurrenz orientiert). Zeigen Sie sich offen für Änderungen bei Thema und Gliederung. Fragen Sie auch nach Themen, die für den Verlag interessant sind – vielleicht ist etwas für Sie dabei? Wenn Sie auf diesem Wege ein erfolgreiches Debüt geben und so das Vertrauen des Verlags gewinnen, läßt er Sie Ihre Buchidee vielleicht im zweiten Anlauf verwirklichen.

Wenn Sie auch nach mehreren Gesprächen keine Zusage erhalten, können Sie Ihre Buchidee immer noch als Selfpublisher umsetzen. Mit entsprechendem Budget können Sie auch eine kleine Auflage drucken lassen, die Sie auf Bestellung (z.B. über Amazon oder Ihre Website) verschicken. Ich kenne mindestens zwei Autoren, deren Bücher sich auf diesem Wege so gut verkauften, dass sie schließlich doch einen großen Verlag fanden.

Wenn der Verlag zusagt
Gibt die Verlagskonferenz grünes Licht, nimmt Sie der Verlag unter Vertrag, gibt Ihrem Projekt einen Slot in der Programmplanung sowie eine ISBN und stattet Sie mit einigen Formalia wie ggf. Autorenleitfaden, Dokumentvorlagen etc. aus. Und dann können Sie loslegen. Darum geht es dann im nächsten Artikel.

Wie ein Verlag aufgebaut ist
Damit hätten Sie Ihr Zwischenziel, einen Verlag zu finden, erreicht. Weil es Ihrer Zusammenarbeit mit diesem helfen wird, wenn Sie etwas über die an Ihrem Buchprojekt beteiligten Abteilungen wissen, hier abschließend ein kurzer Überblick:

Marketing – hier werden die Social Media-Präsenzen des Verlags gepflegt, die Werbetexte aus dem Lektorat für Website und Katalog aufbereitet, Anzeigen entworfen und geschaltet, Kooperationen mit Zeitschriften und Websites aufgesetzt, Stände für Messen und Konferenzen gebucht, Pressebelege verschickt u.v.a.m.

Erwarten Sie kein Einzeltitelmarketing, das gibt es nur für Bestseller. Packen Sie statt dessen bei der Vermarktung Ihres Buches mit an – in den sozialen Netzwerken, auf Konferenzen, bei den Treffen der Communities. Vielleicht gibt es auch Dritte – Experten, die exponierter sind als Sie –, die bereit sind, Ihr Buch zu bewerben (etwa, weil sie ein Vorwort dazu schreiben)? Die dafür notwendigen Belege sollte Ihnen Ihr Verlag immer kostenlos zur Verfügung stellen.

Vertrieb – hier wird Ihr Buch in den Handel gebracht, sprich: in die geeigneten Buchhandlungen und natürlich in den Online-Handel (Amazon.de etc.). Dazu betreuen entweder Key-Account-Manager im Verlag ihre Ansprechpartner im Handel oder ein Außendienstteam reist mit einer Verkaufsmappe durch die Buchhandlungen. Auch der verlagseigene Webshop und die Steuerung der E-Book-Distribution sind hier aufgehängt. Je nach Ausrichtung des Verlages kann es auch einen Direktvertrieb geben, der an Kunden (häufig Firmen oder Bildungsträger) verkauft, ohne über den Zwischenhandel zu gehen.

Vertrieb und Marketing bewerben Ihr Buch ca. zwei bis drei Monate vor Erscheinen. In diesem Werbevorlauf sollte sich Ihr Buch nicht mehr verschieben (tatsächlich sollte Ihr Manuskript dann schon auf dem Weg in den Satz sein). Die in diesem Zeitraum auflaufenden Bestellungen werden Vormerker genannt und bestimmen die Höhe der Erstauslieferung bei Erscheinen Ihres Buches.

Natürlich ist Ihr Verlag dankbar für jede Hilfe, die zum erfolgreichen Vertrieb beiträgt (z.B. Firmenkontakte, über einen Affiliate-Link auf Ihrer Website generierte Bestellungen, wenn Sie die Bücher bei Schulungen als Bonus mitgeben etc.). Das Schöne daran: durch den Wegfall der Händlerspanne verdienen Sie mehr pro verkauftem Exemplar. Aber: direkt dürfen Sie selbst keine Bücher verkaufen (dafür müssten Sie Buchhändler oder Verlag sein). Und der Preis ist immer der vom Verlag festgelegte (gesetzliche Buchpreisbindung). Es sei denn, Sie schnüren ein Bundle aus z.B. einer Schulung und Ihrem Buch (das preislich nicht extra deklariert wird).

Herstellung – hier wird aus Ihrem Manuskript ein Buch. D.h. hier werden Satz und Druck und meist auch die Erstellung von E-Books koordiniert. In manchen Verlagen werden hier auch die Grafiker für Cover und Abbildungen gesteuert. Ab dem Moment, in dem Ihr Lektor Ihr Manuskript bei der Herstellung einreicht, dauert es noch sechs bis acht Wochen bis zu seiner Veröffentlichung als gedrucktes Buch (Satz- und Druckphase sind etwa gleich lang).

Beachten Sie, dass Ihre Inhalte ab Satzbeginn nicht mehr von Ihnen, sondern nur noch vom Setzer editiert werden können. Änderungen in dieser Phase sind also zeit- und kostspielig. Das Ergebnis – die erste Satzfahne – sollten Sie aber ansehen dürfen. Erst hier sehen Sie Ihre Inhalte so, wie sie später im Buch erscheinen.

Lektorat – steuert den Projektverlauf bis zur Übergabe des fertigen Manuskripts an die Herstellung. D.h. Ihr Lektor hält nicht nur den Kontakt zu Ihnen als Autor, sondern koordiniert auch Fachlektoren und Gutachter sowie sprachliche Korrektoren und fungiert als Ihre Schnittstelle in den Verlag (übergehen sie ihn also nicht). Abhängig von der Arbeitsweise des Verlages kann ein Lektor zu seinen Kompetenzen als Projektmanager auch hohe fachliche Qualitäten mitbringen und so sehr tief in die Arbeit am Inhalt einsteigen.

Backoffice – hierunter fallen neben der Buchhaltung (die Ihre Verkäufe erfasst und ggf. auch die Honorarabrechnungen verschickt) und der Lizenzabteilung (die Ihren Inhalt zur Übersetzung anbietet) auch noch andere Abteilungen, die für Sie als Nicht-Angestellter nicht relevant sind. Ist Ihr Verlag Teil eines größeren Verlagsgeschäfts oder sogar -Konzerns, befindet sich das Backoffice evtl. gar nicht unter dem gleichen Dach.

All diese Verlagsabteilungen und -mitarbeiter arbeiten mit Ihnen für Ihr Buch (und die in der Regel externen Dienstleister wie Grafiker und Drucker sind hier nicht mal aufgeführt). Denken Sie daran, dass von Ihnen verursachte Änderungen im Projektverlauf – z.B. terminliche Verschiebungen – nicht nur die hier genannten Abteilungen, sondern auch den Verlag als Ganzes treffen. Denn er hat zwar in Ihr Projekt investiert (Personalkosten, evtl. Vorschusszahlung, Kosten für Coverentwurf etc.), kann aber das fertige Produkt nicht so früh wie geplant verkaufen. Gerade bei zeitkritischen Themen (etwa wenn Sie zu einer versionsabhängigen Software schreiben) können solche Verschiebungen zu einer wirtschaftlichen Neubewertung des Projekts und ggf. auch zu seiner Stornierung führen.

 

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (2): Thema und Lesernutzen

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 11. Februar 2014

Bereits in dieser Blogserie erschienen:

Nächste Beiträge:

Warum ist es so schwierig, einen Verlag zu finden? Einerseits, weil Verlage wählerisch sein müssen. Ein Verlag finanziert per Definition Buchprojekte vor, lange bevor der (erhoffte) wirtschaftliche Erfolg eintritt. Andererseits, weil die meisten von Autoren eingereichten Projekte entweder nicht in das Programm des jeweiligen Verlages passen oder gleich komplett am Markt vorbeigehen. Wie (fast) immer gilt: der Markt ist (fast) alles. Und, leider: Fachbücher können keine Nachfrage schaffen, sondern nur auf sie reagieren. Wonach suchen Fachbuchverlage also? „Nach dem richtigen Buch vom richtigen Autor zum richtigen Zeitpunkt“. – Büchermachen kann so einfach sein.

Seien Sie relevant: Thema & Nutzen
Aber dieser Spruch ist nicht ganz so blöd, wie er klingt. Im Markt heißt „richtig“ nichts anderes als „relevant“. Wenn Sie also der richtige Autor mit dem richtigen Buch sein wollen, müssen Sie und Ihr Wissen für Ihre Leser relevant sein. Das ist beim Fachbuch gar nicht so schwer, denn die Themen sind in der Regel schon da und Ihnen vermutlich bekannt (z.B. in Gestalt technologischer Trends). Die eigentliche Arbeit besteht darin, zwei Dinge herauszufinden – nämlich 1) welches dieser Themen Potential hat und 2) wo genau der Wissensbedarf zu diesem Thema liegt.

Hat das Thema Potential?
Ein Thema mit Potential für Buchverkäufe entsteht meist am Konvergenzpunkt mehrerer technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen und wird so mit einem Male breitentauglich. Ein paar (im Rückblick stark vereinfachte) Beispiele aus meinen eigenen Erfahrungen der letzten Jahre mit sog. „Computerbüchern“:

  • PCs /Laptops in (so gut wie) jedem Haushalt + erschwingliche & leistungsfähige Digitalkameras + aufkommende Bearbeitungssoftware + Sharing-Plattformen = digitaler Fotografie-Boom (auch an den SLR-Boom der 80er anknüpfend)
  • Online-Sozialisierung der Nutzer durch bundesweiten Netzausbau (DSL) + Erfolg mächtiger Kommunikationsplattformen wie Facebook und Twitter + Verbreitung von Smartphones = Social Media-Boom
  • Wachsende Mobilität (Pendler/Reisen) + preiswerte Lesegeräte und Inhalte + 24/7-Shop mit einfachster Bedienung = E-Book-Boom

Kontext
Diese Auflistung sagt nicht, dass Sie lediglich 1+1+1 zusammenzählen müssen, um Themen mit Potential zu finden. Aber sie sagt, dass Sie das Potential eines Themas nur in seinem Kontext beurteilen können. Fragen Sie sich immer: Gibt es verwandte Themen, zu denen bereits erfolgreiche Titel erschienen sind? Gab es ähnliche Konstellationen oder Entwicklungen in der Vergangenheit? Vergleiche Sie das Suchaufkommen zu diesen und Ihrem Thema auf Google Trends. Welche Entwicklungen gibt es in der Community zum Thema? Gibt es Firmen, die das Thema aus eigenem Interesse fördern müssen (z.B. Software-Hersteller oder Trainingsfirmen)? Seinen Sie vernetzt, schöpfen Sie Ihre Informationen aus verschiedenen und möglichst maßgeblichen Quellen.

Timing
Da sich alle diese Themen über lange Jahre entwickelt haben – oft  vom (kleinen, aber ggf. hochpreisigen) Profimarkt in den (großen, aber preissensiblen) Breitenmarkt – ist Timing sehr wichtig. Denn ob Sie mit Ihrem Buchprojekt erfolgreich sind, hängt davon ab, dass es weder zu früh noch zu spät erscheint. Werfen Sie einen Blick auf den viel zitierten Gartnerschen Hypecycle: erst im letzten Drittel wird zuverlässig Geld verdient. Wenn Sie „Erster sein“, also während des Hypes auf dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ einsteigen wollen, brauchen Sie eine gute Intuition, viel Glück und starke Nerven. Hier konkurrieren Sie außerdem mit schnellen Medien wie Zeitschriften und natürlich dem Internet.

Wenn Sie nicht Erster sein können, versuchen Sie Bester zu sein. Es gibt viele Beispiele für äußerst erfolgreiche Fachbücher, die später erschienen sind als die Konkurrenz, und den Markt dann von hinten aufgerollt haben. Eben, weil sie das für ihre Zielgruppe bessere Angebot machten. (Eine Ausnahme hiervon sind Fachbücher, die einem bestimmten Veröffentlichungsrhythmus folgen müssen – etwa dem Semestertakt an Unis und Fachhochschulen oder den Releasezyklen der Softwarehersteller.)

Wissensbedarf = Lesernutzen
Denn hier liegt – natürlich – das eigentliche Potential Ihrer Buchidee: in der richtigen Ausrichtung des Themas, um den von ihrer Zielgruppe gewünschten Wissensbedarf zu decken. Je besser Ihre Buchidee auf die Erfüllung dieses Lesernutzens abzielt, desto größer ihre Chance auf kommerziellen Erfolg (und damit auf Umsetzung durch einen Verlag).

Dazu müssen Sie das Lernverhalten Ihrer künftigen Leser gut einschätzen können. Haben Sie es bei diesem Thema mit Einsteigern zu tun, die nach einer Einführung ins Thema gut auf anderen Wegen weiter kommen? Dann sollten Sie tiefer ansetzen, Grundwissen und Handwerkszeug vermitteln und für erste Erfolgserlebnisse sorgen. Oder erlaubt Ihnen die Breite des Themas, Ihre Buchidee so zu fokussieren, dass Sie für Quasi-Experten schreiben? Dann besteht die Herausforderung für Sie darin, gerade das richtige Maß an Vorwissen vorauszusetzen und für Ihre Buchidee die richtigen Themen auszuwählen.

So oder so – optimal ist es, wenn Sie bereits in Kontakt mit Ihrer Zielgruppe stehen – als Trainer, Dozent, Sprecher, über Social Media oder andere Kanäle.

Eine erste Skizze Ihrer Buchidee
Entwickeln Sie Ihre Buchidee also durch die Leserbrille. Denken Sie in Lernzielen. Wo stehen Ihre Leser zu Beginn des Buches und was sollen sie am Ende können (können, nicht nur: wissen)? Füllen Sie den Raum zwischen Anfang und Ende dieser Lernkurve mit in sich geschlossenen Lernschritten. Fragen Sie sich bei jedem Schritt: ist diese Information für den Leser relevant zur Erreichung seines Zieles? Erstellen Sie so eine erste Gliederung – die Lernschritte sind Ihre Kapitelüberschriften, und mehr als diese erste Ebene brauchen Sie erstmal nicht.

Denken Sie auch an die Ergebnisse Ihrer Amazon-Recherche weiter oben – haben Sie sich die Bestseller zu Ihrem Thema näher angeschaut? Wie gehen deren Autoren die Sache an (werfen Sie einen Blick in die Inhaltsverzeichnisse – oft auf den Webseiten der Verlage einsehbar)? Wie macht sich Ihre Projektskizze im Vergleich dazu? Liegt Ihre eigene Seitenschätzung zu hoch oder zu niedrig? Überarbeiten Sie danach ggf. noch einmal Ihre Gliederung. Danach sind Sie eigentlich startklar.

Denn: Verlage bzw. Lektoren erwarten nicht, dass Sie ein fertiges Manuskript vorlegen, im Gegenteil: es wäre nur schwer bis gar nicht in das Verlagsprogramm integrierbar. Viele Fachbuchverlage arbeiten mit Reihen oder Clustern, die eine einheitliche Herangehensweise und inhaltliche Struktur voraussetzen. Solitäre tun sich schwer im Programm und bleiben oft Fremdkörper – von der Entwicklung des Buches bis zu Vermarktung und Vertrieb. Entscheidend für Lektor und Verlag wird vielmehr sein, ob Sie mit Ihrer Buchidee ein umsatzstarkes Thema auf eine besonders zielgruppengerechte Weise angehen. Das richtige Buch zum richtigen Thema zum … Sie wissen schon: Relevant sein.

Im nächsten Artikel nehmen Sie Ihre Buchidee (und noch ein, zwei andere Infos) und ziehen los, einen Verlag zu finden.

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (0)

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 31. Januar 2014

Diese ab heute wöchentlich erscheinende, sechsteilige Blogserie richtet sich an Fachbuchautorinnen und -autoren, die schreiben möchten, aber noch mit keinem Verlag zusammengearbeitet haben. Ihnen erläutere ich, wie Sie ein Fachbuch schreiben – von der eigenen Marktanalyse, der Ausrichtung Ihres Konzepts auf die Leser über das Suchen und Finden eines Verlages und das Schreiben des Manuskripts bis zu dem Moment, in dem Sie das fertige Buch in den Händen halten.

Die Erscheinungstermine der Blogserie lauten wie folgt (bereits erschienene Artikel sind verlinkt):

Was ein Fachbuch ist
Buchveröffentlichungen fallen entweder unter Fiction oder unter Non-Fiction –  im deutschsprachigen Buchmarkt also in die Bereiche Belletristik sowie Ratgeber-, Sach- und Fachliteratur. Es ist Konsens bei Verlagen und Buchhändlern, dass Autoren sich für eines dieser Genres entscheiden sollten, denn Mischformen gelten als schwer bis nicht verkäuflich. Auch wenn beim näheren Hinsehen die Grenzen schon mal verschwimmen, gilt: Anleitung gehört in die Ratgeberschublade, populäres Wissen und Meinung ins Sachbuch und alles, was mit Wissensvermittlung zu tun hat, ins Fachbuch. Fachbücher umfassen die komplette Bildungsliteratur an Schulen, Fachhochschulen, Akademien und Universitäten sowie ihre populärwissenschaftlichen Ausprägungen für den Hausgebrauch (die Grenzen zum Sachbuch sind hier fließend).

Was Fachbücher leisten
Was Fachbücher in Zeiten des Internet anbieten, ist nicht allein Wissen, sondern dessen lesergerechte Aufbereitung und Vermittlung. Nur für diesen Mehrwert investieren Leser Zeit und Geld, weil er ihnen erlaubt, die benötigten Kompetenzen möglichst effizient zu erlernen.

Dies bedeutet: Gute Fachbücher stellen ihre Leser in den Mittelpunkt. Sie adressieren das richtige Wissensniveau (Einsteiger/Fortgeschrittene), behandeln die gewünschten Themen in der passenden Vorgehensweise (Crashkurs/Handbuch) und treffen den richtigen Ton (hemdsärmelig/seriös). Sie involvieren ihre Leser durch spielerische Elemente (Wissensquiz am Ende eines Kapitels, kleine Projekte im Text) und knüpfen an deren Lebenswelten an (etwa in Praxisbeispielen).

Als Autor eines Fachbuchs müssen Sie also zweierlei Wissen mitbringen: das um Ihr Thema und das um Ihre Zielgruppe. Erst, wenn sich Ihre Leser von Ihnen anerkannt und angesprochen fühlen, werden sie Ihre Inhalte gern und mit Erfolg aufnehmen.

Zunehmende Digitalisierung
Die meisten Fachbuchverlage bieten heutzutage nicht nur Gedrucktes an. Der Fachbuchbereich digitalisiert sich zunehmend – vor allem im Wissenschafts- und Bildungsbereich, wo auf Onlineplattformen organisierte Inhalte die Buchmetapher längst hinter sich lassen. Auch im digitalen und Print-on-Demand-Selfpublishing gibt es starke Fachbuchtitel. Als Autor haben Sie also alle Optionen. Um hier die für Sie passende Wahl zu treffen, müssen Sie sich zu Beginn die richtigen Fragen stellen – und um die geht es im nächsten Artikel. Darin machen Sie sich auch ein Bild von dem Teil des Fachbuchmarktes, der Sie interessiert.

Exkurs: Buchpreis und Honorar

Category : Fachbuch · No Comments · by 26. Januar 2014

Ihr Autorenhonorar ist in der Regel ein Prozentsatz des Nettobuchpreises. Dieser errechnet sich aus dem Ladenpreis minus Mehrwertsteuer und Händlerspanne. Da die Rabatte im Handel stark variieren, rechnen Sie der Einfachheit halber am besten mit der Hälfte des Ladenpreises – dies ist die Berechnungsgrundlage für den Verlagsumsatz und damit auch für Ihr Honorar.

Ein Rechenbeispiel:

  • Buchpreis inkl. 7% MwSt: € 19,95
  • Buchpreis exkl. 7% MwSt: € 18,65
  • Händlerspanne: +/- 45% vom Buchpreis exkl. MwSt.
  • Nettobuchpreis und Berechnungsgrundlage für Verlagsumsatz und Ihr Honorar: € 10,25

Bei 10% Autorenhonorar verdienen Sie bei diesen Eckwerten also an jedem verkauftem Buchexemplar € 1,25. Variiert die Händlerspanne, erhalten Sie entsprechend weniger bzw. mehr Honorar (bei Direktverkäufen etwa über die Verlagswebsite fällt die Händlerspanne sogar ganz weg).

Es gibt auch Verlage, die Festhonorare zahlen. Ob sich solch ein Angebot für Sie lohnt, können Sie selbst ausrechnen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Verlag die voraussichtlich verkaufte Auflage nennen und multiplizieren Sie diese mit 8% bis 10% Autorenhonorar. (Die voraussichtlich verkaufte Auflage ist die Druckauflage minus Belege für Presse etc. und Remittenden, d.h. vom Buchhandel zurückgeschickte Exemplare, die nicht mehr in den Verkauf gelangen).

Exkurs: Autorenvertrag

Category : Fachbuch · No Comments · by 25. Januar 2014

Wenn Sie einen Text schreiben, haben Sie als Schöpfer an diesem die Urheberrechte. Diese sind nicht veräußerbar, wohl aber die Nutzungsrechte an diesen Texten. Ein Autorenvertrag ist nichts anderes als eine exklusive und vollständige Einräumung dieser Nutzungsrechte an den Verlag für jedweden Verwertungszweck. Wenn Sie diese Einräumung einschränken wollen (etwa weil Sie weiterhin einige Inhalte in Ihren Trainingsunterlagen verwenden möchten), müssen Sie das vorab mit dem Verlag verhandeln. Lassen Sie sich vor Unterzeichnung immer einen Standardvertrag schicken! Er sollte weitgehend auf dem Autorennormvertrag des Börsenvereins basieren.

Beachten Sie auch, dass Sie Ihrerseits durch den Vertrag den Verlag von Rechtsansprüchen Dritter „freihalten“. Das betrifft die Abbildung von Personen („Recht am eigenen Bild“) oder Produkten („Geschmacksmusterschutz“). Bei einem Rechteverstoß wird sich der Verlag bei Ihnen schadlos halten – Sie sollten also im Zweifelsfalle schriftliche Rechtseinräumungen für alle Inhalte Dritter vorlegen können.

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (1): ein paar Fragen vorab

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 25. Januar 2014

Bereits in dieser Blogserie erschienen:

Nächste Beiträge:

Wer ein Fachbuch liest, will oder muss etwas lernen, aus privatem oder beruflichem Antrieb. Fachbuchautor/in können Sie also nur sein, wenn Sie auf einem Themengebiet Experte sind und Ihr Wissen so nachgefragt ist, dass andere dafür Zeit oder sogar Geld investieren. – Auftritt Ihre Zielgruppe.

Wer ist Ihre Zielgruppe?
Die Antwort auf diese Frage ist zentral für Ihre Arbeit als Fachbuchautor. Schon hier zu Beginn bestimmt sie Form und Inhalt dessen, womit Sie Ihr Wissen vermitteln. Investiert Ihre Zielgruppe Geld in Wissen? wenn ja, wieviel? Kauft Ihre Zielgruppe Bücher oder schaut sie lieber Online-Tutorials? Wenn Bücher, liest sie dann lieber auf Papier oder E-Books (oder beides)? Ist ihr das Renomée eines Verlages wichtig oder gibt sie mehr auf Content als auf Markenimage? Wie Sie diese Frage beantworten, entscheidet mit darüber, ob Sie zu einem Verlag gehen oder als Selfpublisher veröffentlichen. Oder ob Sie überhaupt ein Buch schreiben.

Was ist Ihr Wissen wert?
Die Frage nach dem wirtschaftlichen Potential Ihrer Buchidee müssen Sie sich stellen, wenn Sie ein kommerzielles Projekt verfolgen (ob für einen Verlag oder als Selfpublisher). Wenn Sie Ihr Wissen bereits als Trainer, Consultant oder Konferenzsprecher vermitteln, ist die Frage klar und schnell beantwortet, denn dann leben Sie von Ihrem Wissensvorsprung und kennen dessen Marktwert.

Wenn nicht: finden Sie es raus, z.B. über eine Recherche auf amazon.de entlang der folgenden Fragen:

  • welches sind die am höchsten rankenden Titel zu Ihrem Thema?
  • sind diese Titel kürzlich oder vor längerem erschienen?
  • welche Ausstattung haben sie: ein-/zwei-/vierfarbig, Anzahl Seiten, CD/DVD/Buch-Website, was kosten sie?
  • was sagen die Rezensionen?
  • wie lauten die Verlage?
  • welche Inhalte haben die Titel genau (siehe jeweilige Verlagswebsite für Inhaltsverzeichnis und Probekapitel, meist im PDF-Format)

Was könnten Sie als Autor besser? Wenn es bereits Konkurrenz gibt: gibt es Verlage, die das Thema noch nicht abgedeckt haben? Kennen Sie vielleicht Ihre Zielgruppe genauer?

Machen Sie sich ausführliche Notizen, denn ich komme noch auf diese Recherche zurück. Achten Sie nicht nur auf Preise, Seitenzahlen, und Verkaufsränge, sondern auch auf die verschiedenen Niveaus (Einsteiger/Fortgeschrittene?) und auf das jeweilige Erscheinungsdatum (ist das Thema noch aktuell?). Notieren Sie sich auch die Verlage Ihrer Favoriten. (Nichts zu finden bedeutet übrigens nicht, dass Sie auf eine Marktlücke gestoßen sind – eher, dass es keine Nachfrage gibt. Fassen Sie dann Ihre Suche schrittweise weiter, bis thematisch relevante Titel erscheinen.)

Verlag oder Selbstverlag?
Was ist Ihre Motivation, ein Buch zu schreiben? Wollen Sie Autor eines gedruckten Buches bei einem renommierten Verlag werden und von dessen Marketing- und Vertriebsabteilung profitieren, oder ein stolzer Selfpublisher sein, der alle Fäden – und Nutzungsrechte (siehe Exkurs Autorenvertrag) – in der Hand hält? (Die gerade im boomenden Selfpublisher-Markt aufkommenden Formen des Hybridpublishing – also Mischungen der bestehenden Publishingmodelle – lasse ich außer acht.)

Pro/Kontra Verlag
Mit Verlag meine ich hier: den entlang einem vorab geplanten Programm veröffentlichenden, immer noch vorrangig vom Verkauf gedruckter Bücher lebenden und im Handel gut aufgestellten Verlag. So einen brauchen Sie – wenn es Ihr Ziel ist, Autor eines gedruckten Buches zu werden, das über den Buchhandel vertrieben und gezielt beworben wird. Diesem Verlag verkaufen Sie die Nutzungsrechte an Ihren Inhalten – exklusiv und in jedweder Form (siehe Exkurs Autorenvertrag). Im Gegenzug erhalten Sie ein professionell produziertes, vermarktetes und vertriebenes Buch.

Da das Honorar meist gering ist (meist zwischen 8%-12% des Nettobuchpreises, siehe Exkurs Buchpreis und Autorenhonorar) und die verkauften Auflagen selten die Margenerwartungen des Verlags übertreffen, sollte Ihre Hauptmotivation als Fachbuchautor das Eigenmarketing sein. Ihr Buch ist Ausweis Ihrer Kompetenz und beflügelt unweigerlich den Teil Ihrer Arbeit, mit dem Sie wirklich Geld verdienen.

Pro/Kontra Selfpublishing
Veröffentlichen können Sie auch als Selfpublisher, was in der Regel heißt: Sie publizieren ein E-Book im PDF- oder ePub-Format. Neben etwas technischem Knowhow benötigen Sie dazu einen Vertriebspartner, der Ihr E-Book breitenwirksam zum Download anbietet und die Abrechnung übernimmt – das kann eine einzelne Plattform sein wie Amazon KDP (Kindle Direct Publishing) oder ein Distributor, der alle relevanten E-Book-Plattformen beliefert.

Als Selfpublisher liegt nicht nur das Schreiben, sondern auch alles andere in Ihrer Hand: die sprachliche bzw. fachliche Korrektur, die Covergestaltung, die Vermarktung und ggf. der Vertrieb. Es hängt auch von Ihrem Budget ab, ob Ihr E-Book in diesen Punkten mit einem Verlagstitel mithalten kann. Der Vorteil ist: Sie sind bei der Vermarktung Ihres Titels flexibler (sofern Sie bei Ihrem Distributor keine Exklusivklauseln unterzeichnet haben). Im Erfolgsfall verdienen Sie sogar mehr Geld. Und wenn Sie doch ein gedrucktes Exemplar benötigen, können Sie es zeitnah über einen Book-on-demand-Dienst drucken und versenden lassen (aus vielen Gründen sinnvoll, die wichtigsten finden Sie hier). Allerdings kommt es ohne vertriebliche Hilfe nicht in den Handel.

Zur Zeit (Februar 2014) boomt Selfpublishing. Vorsichtig geschätzt steht es für die knappe Hälfte der E-Book-Umsätze auf amazon.de. Allerdings gehören Fachbücher (noch) nicht zu den Verkaufsschlagern.

Entscheidend ist Ihre Zielsetzung
Überlegen Sie, was Sie mit Ihrem Buch erreichen wollen. Als Selfpublisher können Sie schreiben, was Sie wollen, damit machen, was Sie wollen, und sparen sich die Odyssee durch die Lektorate – die öffentliche Wahrnehmung kann durchaus groß sein, der finanzielle Ertrag bleibt vermutlich gering (einen Artikel zur Preisstruktur der Top 100(0)-E-Books bei Amazon, Stand Anfang 2014, finden Sie hier). Als Verlagsautor erhalten Sie das repräsentativere und vermutlich auch wirtschaftlich erfolgreichere Produkt, müssen sich aber mit den verlagsseitigen Wünschen nach Form und Inhalt – dem Verlagsprogramm – arrangieren (und zuvor überhaupt einmal einen Verlag finden).

Ich gehe im weiteren nur auf das Arbeiten mit klassischen, programmbasiert arbeitenden Verlagen ein. Wenn Sie mehr über Selfpublishing wissen wollen, finden Sie bei Leselupe.de eine kompakte Übersicht und in der Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting Antworten auf so gut wie alle Ihre Fragen. Ich empfehle Ihnen auch den Beitritt zur Facebook-Gruppe SELF PUBLISHING.

Im nächsten Artikel geht es um Thema und Lesernutzen. Beides müssen Sie zu tragenden Pfeilern Ihrer Buchidee machen, wenn aus ihr ein kommerziell interessantes Projekt werden soll.