Projektmanagement für Verlage & Autoren



Wie Sie ein Fachbuch schreiben (5): mit Buch und Verlag arbeiten

Category : Fachbuch · No Comments · by 4. März 2014

Dies ist der letzte Artikel meiner Blogserie „Wie Sie ein Fachbuch schreiben“. Bislang sind die folgenden Artikel erschienen:

Bevor Ihr Buch im Handel erhältlich ist
Sie halten also Ihr gedrucktes Buch in der Hand und haben entweder gleich die ersten Fehler gesucht (und prompt gefunden) oder doch lieber das Debüt gefeiert. Iritierenderweise ist Ihr Buch aber noch nicht im Handel erhältlich – denn zwischen dem Termin der Auslieferung der Bücher an den Handel und dem Moment ihrer Verfügbarkeit im (virtuellen) Buchregal kann mehr als eine Woche liegen. Das gibt Ihnen Zeit, die folgende Checkliste abzuarbeiten:

  • prüfen Sie, ob Ihr Buch bei Amazon und auf der Verlagswebsite korrekt beworben wird – stimmen Cover, Preis sowie die Texte zum Inhalt und zu Ihnen als Autor? wenn nicht, bitten Sie Ihren Lektor um Korrektur (diese Einträge speisen sich aus Datenfeeds, die die Verlage ein- oder mehrmals wöchentlich an Amazon & Co. schicken)
  • bitten Sie den Verlag, (von Ihnen) ausgewählte Experten oder Rezensenten mit Vorzugsexemplaren zu bestücken
  • verlinken Sie auf Ihrer Website auf Ihr Buch (netterweise – auch – auf die Website Ihres Verlages, der Ihnen dafür eine Beteiligung an den so generierten Umsätzen einräumen sollte, Stichwort „Affiliate-Programm“)
  • bitten Sie Ihren Lektor um ein PDF des Inhaltsverzeichnisses und eines Schnupperkapitels, die Sie auf Ihrer Website zum Download anbieten
  • legen Sie eine Autorenseite bei Amazons Author Central an
  • fragen Sie Ihren Lektor nach Höhe der Erstauslieferung und bitten Sie um Updates zu den (Wochen später) folgenden Durchverkäufen (vermutlich müssen Sie aber regelmäßig nachfragen)

Sobald Ihr Buch im Handel erhältlich ist
Es ist leider so: mehr Aufmerksamkeit als anlässlich seines Erscheinens wird Ihrem Buch vermutlich nie wieder zuteil – weder im Handel, noch im eigenen Verlag. Das liegt u.a. daran, dass der Buchhandel größtenteils novitätengetrieben ist, also auf Neuerscheinungen fokussiert (die Frontlist). Die Verlage stecken entsprechend wenig Zeit und Geld in Vermarktung und Vertrieb bereits erschienener Titel (die Backlist). Der klassische Verkaufsverlauf eines Buches ähnelt dann auch einer mehr oder weniger deutlich abfallenden Kurve (es sei denn, der Titel entwickelt sich zu einem Überraschungserfolg oder sogar Bestseller). Diese nachlassende Kundennachfrage lässt sich mit Verlagsmarketing nur abfedern, nicht umkehren. Kurz: Es ist wichtig, dass Ihr Buch den bestmöglichen Start hat. Dabei spielen Rezensionen und persönliche Empfehlungen eine große Rolle.

Rezensenten finden
Ist Ihr Buch endlich erhältlich, lautet die spannende Frage natürlich: was denken die Leser? Wenn Sie in Ihrem Buch eine Kontakt-E-Mail-Adresse angegeben haben, werden Sie auf diesem Wege früher oder später Rückmeldung erhalten. Allerdings sieht die außer Ihnen niemand – weshalb es wichtig ist, dass Ihr Buch öffentlich auf amazon.de, auf Community-Blogs, in Fachzeitschriften rezensiert wird etc. Helfen Sie Ihrem Verlag, Rezensenten zu finden, besser noch: maßgebliche Rezensenten, deren Meinung gehört wird. Persönliche Empfehlungen sind in Zeiten sozialer Netzwerke so wertvoll wie nie zuvor. Und Amazon ist Pflichtprogramm: Buchexemplare für Amazon-Rezensionen zu verschicken hat nichts Ehrenrühriges und sollte möglichst schnell nach Erscheinungstermin geschehen (bevor Ihnen ein Rezensionstroll den Start verhagelt). Denken Sie daran, dass Rezensionen nicht unter das Zitaterecht fallen, sondern Sie zu ihrer Wiedergabe das Einverständnis des jeweiligen Rechteinhabers einholen müssen.

Ein naheliegender Weg, Aufmerksamkeit in der Community und wohlgesonnene Leser zu gewinnen, sind kleine Wettbewerbe um Ihr Buch wie z.B. Verlosungen – über Ihre oder die Website des Verlages sowie die großen Social Media-Plattformen –, Vorabdrucke in Community-nahen Medien etc. Stimmen Sie Ihre eigenen Social Media-Aktivitäten mit denen Ihres Verlages ab, um möglichst effektiv für Ihr Buch zu werben.

Mit Leserfeedback arbeiten
Die Rückmeldungen Ihrer Leser sind aus zwei Gründen wertvoll. Zum einen, weil auf diesem Wege ein Teil der Errata zu Ihrem Buch zusammenkommt, die es unweigerlich geben wird (und die Sie und der Verlag online stellen sollten). Zum anderen, weil Sie so einen direkten Draht zu Ihren Lesern etablieren. Dies ist der Moment, in dem Sie den Kontakt fortsetzen, den Sie beim Konzipieren und Schreiben Ihres Buches durch die Leserbrille ins Blaue hinein aufgebaut haben. Nun treten Sie in Austausch mit Ihren echten Lesern, die tatsächlich Zeit und Geld in Ihr Buch investiert haben! Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Ihre Vorstellungen der Zielgruppe nachzujustieren und soviel Anregungen und Kritik aufzunehmen wie möglich. Würdigen Sie dieses Feedback so, dass Ihre Leser sich beteiligt fühlen. Der Austausch zwischen Ihnen und Ihren Lesern kann aus diesen Fans machen – und aus Ihnen einen besseren Autor. Nicht nur Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter sind der ideale Ort, um diese Interaktion zu einem anhaltenden Dialog auszubauen. Nutzen Sie auch regelmäßig Amazons Kommentarfunktionen, um auf Rezensionen Ihrer Leser zu reagieren.

Ihr Verlag als Plattform und Netzwerk
Verlage haben kein Publishing-Monopol mehr inne, verfügen aber immer noch über eine recht exklusive Anziehungskraft als Plattform und Netzwerkknoten für ihre Autoren. Ein guter Verlag tut dies, indem er für Austausch innerhalb seiner Autorencommunity sorgt (z.B. auf Autorenevents), seinen Autoren Redner-Slots auf Konferenzen verschafft, vielleicht sogar kleine Weiterbildungen anbietet und Brücken zu anderen Medien baut (Ihnen also Auftritte in Zeitung, Radio oder sogar Fernsehen ermöglicht). Kurz: ein guter Verlag investiert nicht nur in Bücher, sondern auch in seine Autoren – er baut sie auf und pflegt seine Beziehung zu ihnen über die Honorarüberweisungen hinaus.

Im ungünstigsten Fall überlässt Ihr Verlag diese Aufgabe allein dem Engagement seiner Lektoren – prüfen Sie, ob Ihnen das ausreicht. Wenn Ihr Verlag nicht auf die eine oder andere Weise Autorenpflege betreibt, wird dies auch Auswirkungen auf das Autorenumfeld haben, in dem Sie sich dort sehen (und das möglicherweise Ihre Entscheidung für diesen Verlag beeinflusst hat).

Nachdruck oder Neuauflage?
Ob Ihr Buch erfolgreich ist oder nicht, zeichnet sich erst nach ein paar Wochen ab. Dann gehen statt Nachbezügen im Rahmen der Erstauslieferung echte Nachbestellungen im Warenwirtschaftssystem Ihres Verlages ein – die sogenannten Durchverkäufe. Diese zeigen, dass Ihr Buch wirklich gekauft wird (bis dahin gibt es keine echten Umsätze, denn Bücher sind in der Regel Kommissionsware: was der Buchhändler nicht verkauft, kann er an den Verlag zurückschicken – remittieren). Spätestens nach ein paar Monaten, maximal nach einem halben Jahr lässt sich dann sagen, ob Ihr Buch sich den Erwartungen entsprechend entwickelt. Fragen Sie Ihren Lektor nach seiner Einschätzung der Umsatzzahlen – und ob es sinnvoll ist, sich mittelfristig Gedanken um eine Weiterführung des Buches, also eine Neuauflage (Überarbeitung mit neuer ISBN) bzw. einen korrigierten Nachdruck (Überarbeitung ohne neue ISBN) zu machen.

Während Nachdrucke Ihr Buch lediglich verfügbar (und dank kleiner Justagen aktuell) halten, behandelt Ihr Verlag die Neuauflage Ihres Buches ähnlich einer Erstauflage: Neuankündigung im Buchhandel inkl. neuer ISBN und Vorverkauf mit Vormerkern, ggf. aktualisierter Titel sowie ein neues Cover. Voraussetzung ist natürlich, dass die Lagerbestände Ihres Buches ausreichend abverkauft sind. Neuauflagen sind in der Regel inhaltlich motiviert: Thema und Zielgruppe Ihres Buches haben sich weiterentwickelt, der Markt hat sich – auch durch Konkurrenztitel – verändert, Ihr Buch muss ggf. sogar neu positioniert werden. Es geht nicht darum, Ihr Buch neu zu schreiben (schließlich haben Sie dank des bestehenden Inhalts auch einen Zeitvorteil), aber überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Lektor, wie Ihr Buch den genannten Veränderungen Rechnung tragen kann. Bitten Sie ihn dann um Bereitstellung der aktuellsten Buchdaten (die auch die Korrekturen aus der Satzfahne enthalten), um Ihre Inhalte effektiv und zeitnah überarbeiten zu können.

Ihr weiter(er) Weg als Autor
Hinter Ihnen liegt die enorme Leistung des Buchschreibens, im Zuge derer Sie Ihr Wissen nicht nur öffentlich unter Beweis gestellt, sondern es auch ausgebaut und verfeinert haben. Der Erfolg Ihres Buches unterstreicht Ihren Expertenstatus – was machen Sie nun damit? Hier zum Abschluss ein paar Vorschläge:

  • verlinken Sie Ihr Buch an prominenter Stelle auf Ihrer Website, Ihrem Social Media-Account und in Ihrer E-Mail-Signatur
  • posten Sie (in Absprache mit Ihrem Verlag) Ausschnitte Ihres Buchs auf Ihrer Website und promoten Sie diese im Rahmen Ihrer Contentstrategie über Ihre Social Media-Accounts
  • adaptieren Sie (in Absprache mit Ihrem Verlag) Texte Ihres Buches für Veröffentlichungen in zielgruppennahen Medien (Zeitschriften, Websites)
  • bundlen Sie Ihr Buch mit Ihren Trainings-/Seminarangeboten (lassen Sie sich vom Verlag Bestellformulare schicken, um größere Nachfrage abzufangen)
  • bewerben Sie sich mit Ihrem Buch bei Redneragenturen als Konferenzspeaker
  • lassen Sie Visitenkarten mit dem Cover Ihres Buches drucken (z.B. bei moo.com) – als Beilage für Briefsendungen oder als Give-away


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