Projektmanagement für Verlage & Autoren



Wie Sie ein Fachbuch schreiben (1): ein paar Fragen vorab

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 25. Januar 2014

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Wer ein Fachbuch liest, will oder muss etwas lernen, aus privatem oder beruflichem Antrieb. Fachbuchautor/in können Sie also nur sein, wenn Sie auf einem Themengebiet Experte sind und Ihr Wissen so nachgefragt ist, dass andere dafür Zeit oder sogar Geld investieren. – Auftritt Ihre Zielgruppe.

Wer ist Ihre Zielgruppe?
Die Antwort auf diese Frage ist zentral für Ihre Arbeit als Fachbuchautor. Schon hier zu Beginn bestimmt sie Form und Inhalt dessen, womit Sie Ihr Wissen vermitteln. Investiert Ihre Zielgruppe Geld in Wissen? wenn ja, wieviel? Kauft Ihre Zielgruppe Bücher oder schaut sie lieber Online-Tutorials? Wenn Bücher, liest sie dann lieber auf Papier oder E-Books (oder beides)? Ist ihr das Renomée eines Verlages wichtig oder gibt sie mehr auf Content als auf Markenimage? Wie Sie diese Frage beantworten, entscheidet mit darüber, ob Sie zu einem Verlag gehen oder als Selfpublisher veröffentlichen. Oder ob Sie überhaupt ein Buch schreiben.

Was ist Ihr Wissen wert?
Die Frage nach dem wirtschaftlichen Potential Ihrer Buchidee müssen Sie sich stellen, wenn Sie ein kommerzielles Projekt verfolgen (ob für einen Verlag oder als Selfpublisher). Wenn Sie Ihr Wissen bereits als Trainer, Consultant oder Konferenzsprecher vermitteln, ist die Frage klar und schnell beantwortet, denn dann leben Sie von Ihrem Wissensvorsprung und kennen dessen Marktwert.

Wenn nicht: finden Sie es raus, z.B. über eine Recherche auf amazon.de entlang der folgenden Fragen:

  • welches sind die am höchsten rankenden Titel zu Ihrem Thema?
  • sind diese Titel kürzlich oder vor längerem erschienen?
  • welche Ausstattung haben sie: ein-/zwei-/vierfarbig, Anzahl Seiten, CD/DVD/Buch-Website, was kosten sie?
  • was sagen die Rezensionen?
  • wie lauten die Verlage?
  • welche Inhalte haben die Titel genau (siehe jeweilige Verlagswebsite für Inhaltsverzeichnis und Probekapitel, meist im PDF-Format)

Was könnten Sie als Autor besser? Wenn es bereits Konkurrenz gibt: gibt es Verlage, die das Thema noch nicht abgedeckt haben? Kennen Sie vielleicht Ihre Zielgruppe genauer?

Machen Sie sich ausführliche Notizen, denn ich komme noch auf diese Recherche zurück. Achten Sie nicht nur auf Preise, Seitenzahlen, und Verkaufsränge, sondern auch auf die verschiedenen Niveaus (Einsteiger/Fortgeschrittene?) und auf das jeweilige Erscheinungsdatum (ist das Thema noch aktuell?). Notieren Sie sich auch die Verlage Ihrer Favoriten. (Nichts zu finden bedeutet übrigens nicht, dass Sie auf eine Marktlücke gestoßen sind – eher, dass es keine Nachfrage gibt. Fassen Sie dann Ihre Suche schrittweise weiter, bis thematisch relevante Titel erscheinen.)

Verlag oder Selbstverlag?
Was ist Ihre Motivation, ein Buch zu schreiben? Wollen Sie Autor eines gedruckten Buches bei einem renommierten Verlag werden und von dessen Marketing- und Vertriebsabteilung profitieren, oder ein stolzer Selfpublisher sein, der alle Fäden – und Nutzungsrechte (siehe Exkurs Autorenvertrag) – in der Hand hält? (Die gerade im boomenden Selfpublisher-Markt aufkommenden Formen des Hybridpublishing – also Mischungen der bestehenden Publishingmodelle – lasse ich außer acht.)

Pro/Kontra Verlag
Mit Verlag meine ich hier: den entlang einem vorab geplanten Programm veröffentlichenden, immer noch vorrangig vom Verkauf gedruckter Bücher lebenden und im Handel gut aufgestellten Verlag. So einen brauchen Sie – wenn es Ihr Ziel ist, Autor eines gedruckten Buches zu werden, das über den Buchhandel vertrieben und gezielt beworben wird. Diesem Verlag verkaufen Sie die Nutzungsrechte an Ihren Inhalten – exklusiv und in jedweder Form (siehe Exkurs Autorenvertrag). Im Gegenzug erhalten Sie ein professionell produziertes, vermarktetes und vertriebenes Buch.

Da das Honorar meist gering ist (meist zwischen 8%-12% des Nettobuchpreises, siehe Exkurs Buchpreis und Autorenhonorar) und die verkauften Auflagen selten die Margenerwartungen des Verlags übertreffen, sollte Ihre Hauptmotivation als Fachbuchautor das Eigenmarketing sein. Ihr Buch ist Ausweis Ihrer Kompetenz und beflügelt unweigerlich den Teil Ihrer Arbeit, mit dem Sie wirklich Geld verdienen.

Pro/Kontra Selfpublishing
Veröffentlichen können Sie auch als Selfpublisher, was in der Regel heißt: Sie publizieren ein E-Book im PDF- oder ePub-Format. Neben etwas technischem Knowhow benötigen Sie dazu einen Vertriebspartner, der Ihr E-Book breitenwirksam zum Download anbietet und die Abrechnung übernimmt – das kann eine einzelne Plattform sein wie Amazon KDP (Kindle Direct Publishing) oder ein Distributor, der alle relevanten E-Book-Plattformen beliefert.

Als Selfpublisher liegt nicht nur das Schreiben, sondern auch alles andere in Ihrer Hand: die sprachliche bzw. fachliche Korrektur, die Covergestaltung, die Vermarktung und ggf. der Vertrieb. Es hängt auch von Ihrem Budget ab, ob Ihr E-Book in diesen Punkten mit einem Verlagstitel mithalten kann. Der Vorteil ist: Sie sind bei der Vermarktung Ihres Titels flexibler (sofern Sie bei Ihrem Distributor keine Exklusivklauseln unterzeichnet haben). Im Erfolgsfall verdienen Sie sogar mehr Geld. Und wenn Sie doch ein gedrucktes Exemplar benötigen, können Sie es zeitnah über einen Book-on-demand-Dienst drucken und versenden lassen (aus vielen Gründen sinnvoll, die wichtigsten finden Sie hier). Allerdings kommt es ohne vertriebliche Hilfe nicht in den Handel.

Zur Zeit (Februar 2014) boomt Selfpublishing. Vorsichtig geschätzt steht es für die knappe Hälfte der E-Book-Umsätze auf amazon.de. Allerdings gehören Fachbücher (noch) nicht zu den Verkaufsschlagern.

Entscheidend ist Ihre Zielsetzung
Überlegen Sie, was Sie mit Ihrem Buch erreichen wollen. Als Selfpublisher können Sie schreiben, was Sie wollen, damit machen, was Sie wollen, und sparen sich die Odyssee durch die Lektorate – die öffentliche Wahrnehmung kann durchaus groß sein, der finanzielle Ertrag bleibt vermutlich gering (einen Artikel zur Preisstruktur der Top 100(0)-E-Books bei Amazon, Stand Anfang 2014, finden Sie hier). Als Verlagsautor erhalten Sie das repräsentativere und vermutlich auch wirtschaftlich erfolgreichere Produkt, müssen sich aber mit den verlagsseitigen Wünschen nach Form und Inhalt – dem Verlagsprogramm – arrangieren (und zuvor überhaupt einmal einen Verlag finden).

Ich gehe im weiteren nur auf das Arbeiten mit klassischen, programmbasiert arbeitenden Verlagen ein. Wenn Sie mehr über Selfpublishing wissen wollen, finden Sie bei Leselupe.de eine kompakte Übersicht und in der Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting Antworten auf so gut wie alle Ihre Fragen. Ich empfehle Ihnen auch den Beitritt zur Facebook-Gruppe SELF PUBLISHING.

Im nächsten Artikel geht es um Thema und Lesernutzen. Beides müssen Sie zu tragenden Pfeilern Ihrer Buchidee machen, wenn aus ihr ein kommerziell interessantes Projekt werden soll.



(2) comments

Sam
3 Jahren ago · Antworten

Da ich inzwischen ein paar Fachbücher veröffentlich habe, eins davon als Hybrid (Ebook ich, gedrucktes Verlag) und sogar Auflagen produziert habe, muss ich sagen dass es heutzutage gar nicht sooo schwer ist, Autor oder gar Verlag zu werden.

Und für mich lohnen sich die E-Books deutlich mehr als gedruckte Bücher, sogar als das, was über einen Verlag lief (Faktor 8 besser).

    boris
    3 Jahren ago · Antworten

    Stimmt, mit den 8% bis 12% max. Autorenhonorar allein können Fachbuchverlage (längst) nicht mehr locken (zumal viele E-Books weniger Seiten haben als gedruckte Bücher, also weniger Schreibaufwand erfordern). Weil Verlage für den gleichen Inhalt mehr verlangen müssen, können sie nur über Qualität in Auswahl, Ausführung und Inhalt konkurrieren. Und dafür zahlt leider nicht jeder, vor allem nicht im Fachbuch. (Komisch, wenn man überlegt, was die Leute mit diesen Informationen erreichen wollen – mehr können, mehr verdienen.)

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