Projektmanagement für Verlage & Autoren



Wie Sie ein Fachbuch schreiben (3): Verlag suchen und finden

Category : Fachbuch · No Comments · by 17. Februar 2014

Bereits in dieser Blogserie erschienen:

Die nächsten Beiträge:

Mit Ihrer Gliederung und den Ergebnissen Ihrer Marktanalyse können Sie nun auf Verlagssuche gehen. Sprechen Sie nur mit Verlagen, die zu Ihrem Thema passen und noch kein Buch wie das von Ihnen angedachte im Programm haben (Sie haben sich ja bei Ihrer Amazon-Recherche in Teil (1) die Verlage notiert …?).

Einen Ansprechpartner finden
Am einfachsten ist es, auf Ihrem oder dem Regal Ihres Buchhändlers die Impressumsseiten der Bücher Ihrer Wunschverlage nach Lektoratskontakten zu durchsuchen. Oder Sie suchen auf den Webseiten der Verlage nach Stichworten wie „Autor werden“, „Lektorat“ etc. Wenn Sie hier nicht fündig werden, suchen Sie bei XING oder LinkedIn nach Ansprechpartnern – oder googlen einfach. Haben Sie dann alle gewünschten E-Mail-Adressen oder sogar Telefonnummern, treten Sie – gut vorbereitet – in Kontakt. Schildern Sie dem Lektor Ihre Buchidee, skizzieren Sie die Zielgruppe und argumentieren Sie mit den Ergebnissen Ihrer kleinen Marktforschung. Ist der Lektor interessiert, mailen Sie ihm direkt nach dem Gespräch Ihre Gliederung (mit ein paar Infos, die Ihre Kompetenz unterstreichen). Vereinbaren Sie eine Evaluierungsfrist und haken Sie erst nach, wenn diese ohne Rückmeldung verstrichen ist.

Der Entscheidungsweg im Verlag
Ist der Lektor interessiert, ist das aber noch keine Zusage. Trotzdem wird er mit Ihnen schon die Eckwerte des Projekts, den Zeitplan, das Abgabeformat (meist MS Word) sowie Ihr Honorar verhandeln, um das Projekt auf sein wirtschaftliches Potential hin durchrechnen zu können. Diese Projektkalkulation bildet zusammen mit Gliederung und Marktanalyse das Exposé, das der Lektor dann der Verlagskonferenz vorlegt. Die Verlagskonferenz setzt sich in der Regel aus den führenden Köpfen von Lektorat, Marketing und Vertrieb sowie der Verlagsleitung zusammen und entscheidet über Zu- oder Absage (auch für erfahrene Lektoren nicht immer vorhersehbar). Unterstützen Sie Ihren Lektor im Vorfeld der Verlagskonferenz mit Informationen und stärken Sie seinen Glauben an das Projekt. Ihr Lektor ist ein Stück weit Ihr Verbündeter und sollte von Ihrer Buchidee überzeugt sein. Davon kann abhängen, ob eine Ablehnung seines Projektvorschlags durch die Verlagskonferenz das Ende für Ihre Buchidee bedeutet – oder aber eine erfolgreiche Wiedervorlage nach Änderung einiger Eckwerte.

Verhandeln Sie alle relevanten Punkte durch, bevor Ihr Lektor mit Ihrem Projekt in die Verlagskonferenz geht. Hier die wichtigsten:

  • Honorar (prozentuale Beteiligung am Umsatz oder Festhonorar? wenn prozentuale Beteiligung, gibt es dann für eBooks mehr Honorar? wichtig für das Honorar sind natürlich der Buchpreis und die voraussichtlich verkaufte Auflage, siehe dazu die Exkurse zu Autorenvertrag sowie Buchpreis und Honorar; außerdem: wann zahlt der Verlag aus – quartärlich, halbjährlich, jährlich? und: gibt es einen Vorschuss? dieser wird in der Regel mit dem Honorar verrechnet, sollte aber niemals rückzahlbar sein)
  • Ausstattung (Seitenzahl, Format, Schwarzweiß/Farbe, Papierqualität Offset oder Bilderdruck, Hardcover/Broschur, Umschlag, zusätzliche Medien wie CD/DVD, Einlegekarte, Website zum Buch etc. – vieles hiervon liegt in der Entscheidung des Verlages, Sie als Kenner der Zielgruppe Ihres Buches können diese allerdings maßgeblich beeinflussen; argumentieren Sie auch mit der ggf. besser ausgestatteten Konkurrenz)
  • Buchpreis (mit bestimmend für Ihr Honorar, seine Festlegung ist aber Sache des Verlages)
  • Auflage (der Verlag wird sich von Ihnen auf keine Auflage festlegen lassen – allerdings haben Sie ein Recht darauf, die Auflagenhöhe zu erfahren, denn sie ist ebenfalls mit bestimmend für Ihr Honorar; wichtig ist die „voraussichtlich verkaufte Auflage“, mit deren Absatz der Verlag über die Lebenszeit des Buches tatsächlich rechnet – wenn der Verlag Ihnen beispielsweise eine Honorarstaffel anbietet, bei der Sie ab 2.000 verk. Ex. 2% mehr Honorar erhalten, ist dies nur interessant, wenn der Verlag selbst an diesen Mehrabsatz glaubt; schließlich könnte der Verlag auch so wenig drucken, dass Sie weder eine gute Sichtbarkeit im Handel noch ein gutes Honorar erhalten; außerdem interessant ist, wieviele E-Books der Verlag zu verkaufen glaubt – das Thema Auflage spielt hier natürlich keine Rolle:))
  • Eigenbelege (unabhängig davon, ob Sie 5, 10 oder mehr kostenlose Exemplare Ihres Buches vom Verlag erhalten – Ihr Lektor wird Ihnen sicher gern ab und zu ein weiteres zuschicken; für größere Bestellungen sollten Sie einen Autorenrabatt von mindestens 30% erhalten)
  • Ausnahmeklauseln im Vertrag (wenn Sie beispielsweise Teile des Inhaltes für eigene Zwecke parallel verwenden oder sich Rechte für eine bestimmte Sprache vorbehalten möchten)

Rechnen Sie insgesamt mit mehreren Wochen, bis eine Entscheidung gefallen ist. Bieten Sie parallel bei anderen Verlagen an, sagen Sie dies offen und bitten Sie dort solange um Aussetzung der Entscheidungsprozesse. Mehrere Zusagen zum gleichen Projekt sind keine komfortable Verhandlungsposition, sondern beschädigen das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und den Verlagen.

Wenn der Verlag absagt
Wenn der Lektor (oder die Verlagskonferenz) Ihre Buchidee ablehnt, gehen Sie zum nächsten Verlag auf Ihrer Liste und führen das gleiche Gespräch oder den gleichen Mailwechsel von vorn. Geben Sie nur auf Nachfrage zu, dass Ihr Vorschlag anderorts schon mal abgelehnt wurde (es hängt vom Selbstbewusstsein des Lektors ab, wie weit er sich an der Konkurrenz orientiert). Zeigen Sie sich offen für Änderungen bei Thema und Gliederung. Fragen Sie auch nach Themen, die für den Verlag interessant sind – vielleicht ist etwas für Sie dabei? Wenn Sie auf diesem Wege ein erfolgreiches Debüt geben und so das Vertrauen des Verlags gewinnen, läßt er Sie Ihre Buchidee vielleicht im zweiten Anlauf verwirklichen.

Wenn Sie auch nach mehreren Gesprächen keine Zusage erhalten, können Sie Ihre Buchidee immer noch als Selfpublisher umsetzen. Mit entsprechendem Budget können Sie auch eine kleine Auflage drucken lassen, die Sie auf Bestellung (z.B. über Amazon oder Ihre Website) verschicken. Ich kenne mindestens zwei Autoren, deren Bücher sich auf diesem Wege so gut verkauften, dass sie schließlich doch einen großen Verlag fanden.

Wenn der Verlag zusagt
Gibt die Verlagskonferenz grünes Licht, nimmt Sie der Verlag unter Vertrag, gibt Ihrem Projekt einen Slot in der Programmplanung sowie eine ISBN und stattet Sie mit einigen Formalia wie ggf. Autorenleitfaden, Dokumentvorlagen etc. aus. Und dann können Sie loslegen. Darum geht es dann im nächsten Artikel.

Wie ein Verlag aufgebaut ist
Damit hätten Sie Ihr Zwischenziel, einen Verlag zu finden, erreicht. Weil es Ihrer Zusammenarbeit mit diesem helfen wird, wenn Sie etwas über die an Ihrem Buchprojekt beteiligten Abteilungen wissen, hier abschließend ein kurzer Überblick:

Marketing – hier werden die Social Media-Präsenzen des Verlags gepflegt, die Werbetexte aus dem Lektorat für Website und Katalog aufbereitet, Anzeigen entworfen und geschaltet, Kooperationen mit Zeitschriften und Websites aufgesetzt, Stände für Messen und Konferenzen gebucht, Pressebelege verschickt u.v.a.m.

Erwarten Sie kein Einzeltitelmarketing, das gibt es nur für Bestseller. Packen Sie statt dessen bei der Vermarktung Ihres Buches mit an – in den sozialen Netzwerken, auf Konferenzen, bei den Treffen der Communities. Vielleicht gibt es auch Dritte – Experten, die exponierter sind als Sie –, die bereit sind, Ihr Buch zu bewerben (etwa, weil sie ein Vorwort dazu schreiben)? Die dafür notwendigen Belege sollte Ihnen Ihr Verlag immer kostenlos zur Verfügung stellen.

Vertrieb – hier wird Ihr Buch in den Handel gebracht, sprich: in die geeigneten Buchhandlungen und natürlich in den Online-Handel (Amazon.de etc.). Dazu betreuen entweder Key-Account-Manager im Verlag ihre Ansprechpartner im Handel oder ein Außendienstteam reist mit einer Verkaufsmappe durch die Buchhandlungen. Auch der verlagseigene Webshop und die Steuerung der E-Book-Distribution sind hier aufgehängt. Je nach Ausrichtung des Verlages kann es auch einen Direktvertrieb geben, der an Kunden (häufig Firmen oder Bildungsträger) verkauft, ohne über den Zwischenhandel zu gehen.

Vertrieb und Marketing bewerben Ihr Buch ca. zwei bis drei Monate vor Erscheinen. In diesem Werbevorlauf sollte sich Ihr Buch nicht mehr verschieben (tatsächlich sollte Ihr Manuskript dann schon auf dem Weg in den Satz sein). Die in diesem Zeitraum auflaufenden Bestellungen werden Vormerker genannt und bestimmen die Höhe der Erstauslieferung bei Erscheinen Ihres Buches.

Natürlich ist Ihr Verlag dankbar für jede Hilfe, die zum erfolgreichen Vertrieb beiträgt (z.B. Firmenkontakte, über einen Affiliate-Link auf Ihrer Website generierte Bestellungen, wenn Sie die Bücher bei Schulungen als Bonus mitgeben etc.). Das Schöne daran: durch den Wegfall der Händlerspanne verdienen Sie mehr pro verkauftem Exemplar. Aber: direkt dürfen Sie selbst keine Bücher verkaufen (dafür müssten Sie Buchhändler oder Verlag sein). Und der Preis ist immer der vom Verlag festgelegte (gesetzliche Buchpreisbindung). Es sei denn, Sie schnüren ein Bundle aus z.B. einer Schulung und Ihrem Buch (das preislich nicht extra deklariert wird).

Herstellung – hier wird aus Ihrem Manuskript ein Buch. D.h. hier werden Satz und Druck und meist auch die Erstellung von E-Books koordiniert. In manchen Verlagen werden hier auch die Grafiker für Cover und Abbildungen gesteuert. Ab dem Moment, in dem Ihr Lektor Ihr Manuskript bei der Herstellung einreicht, dauert es noch sechs bis acht Wochen bis zu seiner Veröffentlichung als gedrucktes Buch (Satz- und Druckphase sind etwa gleich lang).

Beachten Sie, dass Ihre Inhalte ab Satzbeginn nicht mehr von Ihnen, sondern nur noch vom Setzer editiert werden können. Änderungen in dieser Phase sind also zeit- und kostspielig. Das Ergebnis – die erste Satzfahne – sollten Sie aber ansehen dürfen. Erst hier sehen Sie Ihre Inhalte so, wie sie später im Buch erscheinen.

Lektorat – steuert den Projektverlauf bis zur Übergabe des fertigen Manuskripts an die Herstellung. D.h. Ihr Lektor hält nicht nur den Kontakt zu Ihnen als Autor, sondern koordiniert auch Fachlektoren und Gutachter sowie sprachliche Korrektoren und fungiert als Ihre Schnittstelle in den Verlag (übergehen sie ihn also nicht). Abhängig von der Arbeitsweise des Verlages kann ein Lektor zu seinen Kompetenzen als Projektmanager auch hohe fachliche Qualitäten mitbringen und so sehr tief in die Arbeit am Inhalt einsteigen.

Backoffice – hierunter fallen neben der Buchhaltung (die Ihre Verkäufe erfasst und ggf. auch die Honorarabrechnungen verschickt) und der Lizenzabteilung (die Ihren Inhalt zur Übersetzung anbietet) auch noch andere Abteilungen, die für Sie als Nicht-Angestellter nicht relevant sind. Ist Ihr Verlag Teil eines größeren Verlagsgeschäfts oder sogar -Konzerns, befindet sich das Backoffice evtl. gar nicht unter dem gleichen Dach.

All diese Verlagsabteilungen und -mitarbeiter arbeiten mit Ihnen für Ihr Buch (und die in der Regel externen Dienstleister wie Grafiker und Drucker sind hier nicht mal aufgeführt). Denken Sie daran, dass von Ihnen verursachte Änderungen im Projektverlauf – z.B. terminliche Verschiebungen – nicht nur die hier genannten Abteilungen, sondern auch den Verlag als Ganzes treffen. Denn er hat zwar in Ihr Projekt investiert (Personalkosten, evtl. Vorschusszahlung, Kosten für Coverentwurf etc.), kann aber das fertige Produkt nicht so früh wie geplant verkaufen. Gerade bei zeitkritischen Themen (etwa wenn Sie zu einer versionsabhängigen Software schreiben) können solche Verschiebungen zu einer wirtschaftlichen Neubewertung des Projekts und ggf. auch zu seiner Stornierung führen.

 



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