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Wie Sie ein Fachbuch schreiben (4): Schreiben des Manuskripts

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 25. Februar 2014

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Nun geht es also los! Sie haben den Verlagsvertrag mit einem Abgabetermin und einer Seitenanzahl unterschrieben. Ihr Lektor hat Ihnen eine Dokumentvorlage geschickt, auf der Sie Ihre Texte aufsetzen (hoffentlich mit einer Anleitung, wie die Formate zu vergeben sind). Sie wissen also, was Sie wie und wann liefern müssen. Wenn nicht, ist jetzt der beste Zeitpunkt, sich bei Ihrem Lektor zu erkundigen. Ein Manuskript vom Verlag zurückzuerhalten mit der Bitte um  Überarbeitung oder gar Kürzung ist ungefähr das Letzte, was Sie sich nach der anstrengenden Schlussphase des Schreibens wünschen.

Denn tatsächlich heißt es in den Verlagsverträgen „Manuskriptannahme„, und nicht „-abgabe“. Hier die Top 5 der formalen Manuskriptmängel, aufgrund derer Lektoren die Annahme Ihres Textes verweigern können:

  • Indexmarken nicht vergeben
  • Abbildungen falsch eingebunden (eingebettet statt verlinkt) oder im falschen Format bzw. in zu geringer Auflösung
  • Abbildungsrechte nicht geklärt
  • Formatierungen „hart“, also nicht über die Dokumentvorlage vergeben
  • vereinbarte Seitenzahl nicht eingehalten

Um all dies zu vermeiden, ein Tipp: wenn es der Verlag nicht ohnehin verlangt, vereinbaren Sie mit Ihrem Lektor einen ProbesatzHierzu reichen Sie irgendein Kapitel fertig bebildert, formatiert und indiziert ein. So können Sie auch eine Relation zwischen der Seitenzählung Ihrer Textverarbeitung und der im angestrebten Layout (Umbruch) herstellen. Auch wenn Ihr Lektor Ihnen über den Projektverlauf regelmäßig Feedback zu Ihren Texten gibt – gerade eine zu hohe Seitenmenge fällt erst auf, wenn es zu spät ist. Wenn die höhere Seitenzahl dann den kalkulatorischen Rahmen sprengt, müssen Sie kürzen. Und das tut richtig weh.

Wie fangen Sie an?
Bevor Sie auch nur eine Zeile schreiben, müssen Sie den Inhalt Ihres Manuskripts genau planen. Dafür arbeiten Sie die Gliederung aus Ihren Projektexposé (siehe Teil 2) weiter aus – hinab bis auf die dritte Überschriftenebene. Gehen Sie dabei genau so vor wie bei der Erstellung Ihrer Grobgliederung. Fragen Sie sich stets, welche Lernziele die Leser innerhalb der Kapitel erreichen müssen, um für das nächste Kapitel gewappnet zu sein. Dieses nächste Kapitel baut seinerseits auf Lernzielen auf, die Ihre Leser wiederum für das nächste Kapitel fit machen. Es ist ein bisschen so, als würden Sie aus vielen kleinen Lernkurven (den einzelnen Kapiteln) eine große Lernkurve (das fertige Manuskript) zusammenbauen.

Das Inhaltsverzeichnis als Skizze Ihres Buches
Diese Feingliederung wird in großen Teilen dem späteren Inhaltsverzeichnis Ihres Buches entsprechen. Und je aussagekräftiger dieses Inhaltsverzeichnis ausfällt, desto einfacher machen Sie den Kunden die Entscheidung für Ihr Buch. Achten Sie also jetzt schon darauf, in Ihren Überschriften Verben und das im jeweiligen Absatz wichtigste Schlüsselwort zu verwenden. Wenn nötig, untergliedern Sie Ihren Inhalt stärker, aber ohne ihn zu zergliedern (viele Fachbuchverlage erlauben bis zu fünf Überschriften, was ich für zu kleinteilig halte). Ihr Inhaltsverzeichnis soll beim Reinblättern/-klicken übersichtlich wirken und einen schnellen, skizzenartigen Überblick über den Buchinhalt erlauben.

Schreiben Sie immer mit einem Auge auf diesem Gerüst und halten Sie sich an die hier formulierten Lernziele (es sei denn, Sie müssen im Sinne des übergeordneten Lernzieles vom gesteckten Pfad abweichen). Wenn eine Information nicht zum Lernziel beiträgt, verzichten Sie auf sie. Wenn eine Information relevant, aber zu umfangreich ist, referenzieren Sie sie später im Text über einen URL.

Übrigens ist es eine gute Idee, anhand der Feingliederung noch einmal Ihren Zeitplan durchzugehen. Welche Kapitel schreiben sich schneller, wo stecken die Zeitfresser? Natürlich müssen Sie nicht chronologisch schreiben, Ihre Feingliederung erlaubt Ihnen auch, zu springen. Jedes Manuskript hat seine Pflicht- und seine Kürkapitel – teilen Sie sich beides abhängig von Ihrer persönlichen Schreibform ein (ohne dabei mehrere Baustellen aufzumachen).

Wie Sie schreiben
Gerade wenn Sie das erste Mal für eine große Leserschaft schreiben, wird es Ihnen schwer fallen, den richtigen Ton zu treffen. Wie kommt beim Leser an, wie & was Sie schreiben? Lassen Sie sich von diesem Gedanken nicht einschüchtern. Flüchten Sie sich nicht in einen unpersönlichen, womöglich akademischen Schreibstil. Sie sind Autor, nicht Professor. Und als solcher sprechen Sie mit Ihren Lesern auf Augenhöhe, nicht vom Podest herab. Ihre Autorität als Autor steht und fällt mir Ihrer Fähigkeit, verständlich zu erklären.

Für Ihren Stil heißt das: schreiben Sie kurze, verständliche Sätze (mit nicht mehr als einem Nebensatz), vermeiden Sie passive Konstrukte, sprechen Sie Ihre Leser direkt an. Folgen Sie der in Ihrem Gebiet etablierten Fachsprache (denn auch die sollen Ihre Leser erlernen), aber vermeiden Sie Slang. Seien sie locker, ohne flapsig zu sein. Formulieren Sie ruhig mal aus der Ich-Perspektive, um als Autor präsent zu sein. Und seien Sie authentisch – in Zeiten sozialer Netzwerke ist Ihre Persönlichkeit als Autor nach Ihrem Wissen Ihr höchstes Gut. Gerade, wenn Sie Ihr Buch als Marketinginstrument einsetzen wollen, sollen Sie darin auch mit Ihrer eigenen Stimme sprechen. Sie wollen wiedererkennbar sein.

Leser sind Gesprächspartner
Vielleicht hilft es Ihnen beim Schreiben, wenn Sie sich einen einzelnen Ihrer Leser als Gesprächspartner vorstellen. Schreiben Sie so, als würden Sie mit ihm sprechen. Ihr Leser ist interessiert und willens, Ihnen zuzuhören. Seine Aufmerksamkeit ist kostbar und begrenzt. Kommen Sie auf den Punkt und lockern Sie Ihre Texte z.B. durch Praxisbeispiele auf, anstatt Ihren Leser mit Hintergründen und Exkursen zu langweilen. Überprüfen Sie das Geschriebene: können Sie noch genauer und kompakter formulieren? Schaffen Sie durch Ausblicke sowie Vor- und Rückbezüge Orientierung im Stoff. Bieten Sie Belohnungen für Ihre Leser an, indem Sie Erfolgserlebnisse schaffen – entweder mit kleinen Workshops, Wissensüberprüfungen oder (wenn das Buchformat nichts anderes erlaubt) einem Rückblick auf das schon Gelernte. Nichts ist für Ihre Leser motivierender als den eigenen Lernerfolg zu sehen.

Einmal auf auf Augenhöhe mit Ihren Lesern, können Sie viel leichter deren Sicht der Dinge einnehmen. Ihnen als Experten mag es merkwürdig vorkommen, Ihr Wissen durch die Leserbrille zu betrachten – tatsächlich ist es Ihre einzige Chance, relevant zu sein (Sie erinnern sich?). Wissen zu vermitteln heißt heute: Wissen zielgruppengerecht aufbereiten. Sonst kann Ihre Zielgruppe ja gleich googlen. Versuchen Sie daher so gut wie möglich, sich in Ihre künftigen Leser hineinzuversetzen und zu verstehen, was genau sie warum lernen müssen.

Halten Sie Ihre Leser bei (Lern-)Laune. Wer gern lernt, lernt leicht. Und genau das wollen Sie als Autor: Ihren Lesern das Lernen leicht machen. Auch wenn Sie selbst sich Ihr Wissen mit viel Zeit & Mühe angeeignet haben – Ihre Leser sollen es besser haben!

Bevor Sie anfangen: ein paar Tipps
Mit dem Schreiben ist es wie mit allen anderen kreativen Tätigkeiten: für den Erfolg braucht es sehr viel Disziplin und Planung. Wenn Sie zum ersten Mal ein Buch schreiben, könnten Ihnen die folgenden Tipps helfen:

  • Setzen Sie sich feste Zeiten, zu denen Sie möglichst ungestört schreiben können. Befolgen Sie diesen Zeitplan, auch wenn Sie keine Lust zum Schreiben haben.
  • Planen Sie in Ihrem Zeitplan einen großen Puffer ein. Egal, an welchen Zeitraum sie denken: verdoppeln Sie ihn. Zum Ende hin wird die Arbeit am Manuskript immer komplexer und mühsamer, d.h. Sie werden nicht die inhaltlichen Fortschritte wie zu Beginn machen. Setzen Sie für diesen Puffer nicht auf Urlaube oder Feiertage – Buch hin oder her, Sie brauchen Ihre Erholungszeiten (und Ihre Familie oder Partner brauchen Sie).
  • Wenn Ihnen das Schreiben leicht fällt, schreiben Sie, soviel Sie können. Es kommen auch andere Zeiten. Und wenn Sie mal eine Schreibblockade lähmen sollte, finden Sie auf dem Blog von „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann wertvolle Tipps zur Re-Mobilisierung.
  • Formatieren und indizieren Sie nicht beim Schreiben – dies und andere formale Dinge wie den Einsatz der Rechtschreibprüfung sollten Sie sich für die weniger kreativen Momente aufheben, in denen es mit dem Schreiben nicht so gut klappt. Idealerweise formatieren und indizieren Sie Ihr Manuskript zum Schluss (außer für das Probekapitel) – dann haben Sie den besten Überblick über das Geschriebene.
  • Lesen Sie Ihre Texte nicht zu oft gegen – sonst verlieren Sie das Gefühl für den Inhalt. Geben Sie den Text lieber anderen zum Gegenlesen.
  • Überprüfen Sie regelmäßig, wie Sie mit dem Geschriebenen im Zeitplan stehen. Informieren Sie Ihren Lektor rechtzeitig, wenn die Zeit nicht reichen wird – kurz vor der Manuskriptabgabe kommt die Info zu spät, denn dann ist Ihr Buchprojekt schon im Werbevorlauf.
  • Starten Sie nicht mit der Einleitung (die schreiben Sie zum Schluss).
  • Stellen Sie sich beim Schreiben Ihre Leser vor – als konkrete Vertreter Ihrer Zielgruppe, mit einem Gesicht, einer Vita und einem Lernziel. Dies kann Ihnen helfen, sich beim Schreiben auf die wirklich relevanten Inhalte zu fokussieren.

Zwischen diesem und dem nächsten Artikel liegt die Arbeit des Manuskriptschreibens. Wenn Sie die erfolgreich hinter sich gebracht, Ihre Korrekturen zu den Satzfahnen beigesteuert und vielleicht schon die Belege Ihres Buches erhalten haben, ist Ihr Buchprojekt aber noch nicht beendet. Denn nun können Sie mit Ihrem Buch und Ihrem Verlag arbeiten – und darum geht es im nächsten und letzten Artikel dieser Blogserie.



(2) comments

Kerstin Hoffmann
4 Jahren ago · Antworten

Danke für die Erwähnung.

Noch ein Tipp von mir, um beim Manuskript-Schreiben im Zeitplan zu bleiben: Ich habe immer ein Excel-File für jeden Tag bis zum Abgabetermin. Daraus ergibt sich die durchschnittliche Seitenzahl, die ich pro Tag schaffen muss.

Jeden Abend trage ich ein, wieviele Seiten ich an dem Tag tatsächlich geschrieben habe. Dann rechnet die Tabelle aus, wieviele noch übrig sind und wie hoch die neue Durchschnitts-Zahl ist.

Der Durchschnitt bezieht sich übrigens immer auf die fünf Arbeitstage der Woche. Ich kann aber am Wochenende auch etwas eintragen und so aufholen, was ich über die Woche nicht geschafft. Das ist mein Puffer. Zum Glück führt die gute Planung dazu, dass ich diesen Puffer selbst in der Endphase bisher nur selten beanspruchen musste.

Das hat sogar dazu geführt, dass ich das Manuskript meines aktuellen Buches drei Wochen vor dem Abgabetermin abgeliefert habe. Das scheint nicht SO üblich zu sein, jedenfalls hat meine Lektorin ziemlich gestaunt. 😉

    boris
    4 Jahren ago · Antworten

    Nein, eine frühere Abgabe ist in der Tat nicht üblich, da kann sich Deine Lektorin glücklich schätzen. Aber Du bist dann eh eine sehr disziplinierte Autorin. (Ich finde übrigens die Idee mit dem Wochenend-Puffer toll!)

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