Projektmanagement für Verlage & Autoren


Wie Sie ein Fachbuch schreiben (4): Schreiben des Manuskripts

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 25. Februar 2014

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Nun geht es also los! Sie haben den Verlagsvertrag mit einem Abgabetermin und einer Seitenanzahl unterschrieben. Ihr Lektor hat Ihnen eine Dokumentvorlage geschickt, auf der Sie Ihre Texte aufsetzen (hoffentlich mit einer Anleitung, wie die Formate zu vergeben sind). Sie wissen also, was Sie wie und wann liefern müssen. Wenn nicht, ist jetzt der beste Zeitpunkt, sich bei Ihrem Lektor zu erkundigen. Ein Manuskript vom Verlag zurückzuerhalten mit der Bitte um  Überarbeitung oder gar Kürzung ist ungefähr das Letzte, was Sie sich nach der anstrengenden Schlussphase des Schreibens wünschen.

Denn tatsächlich heißt es in den Verlagsverträgen „Manuskriptannahme„, und nicht „-abgabe“. Hier die Top 5 der formalen Manuskriptmängel, aufgrund derer Lektoren die Annahme Ihres Textes verweigern können:

  • Indexmarken nicht vergeben
  • Abbildungen falsch eingebunden (eingebettet statt verlinkt) oder im falschen Format bzw. in zu geringer Auflösung
  • Abbildungsrechte nicht geklärt
  • Formatierungen „hart“, also nicht über die Dokumentvorlage vergeben
  • vereinbarte Seitenzahl nicht eingehalten

Um all dies zu vermeiden, ein Tipp: wenn es der Verlag nicht ohnehin verlangt, vereinbaren Sie mit Ihrem Lektor einen ProbesatzHierzu reichen Sie irgendein Kapitel fertig bebildert, formatiert und indiziert ein. So können Sie auch eine Relation zwischen der Seitenzählung Ihrer Textverarbeitung und der im angestrebten Layout (Umbruch) herstellen. Auch wenn Ihr Lektor Ihnen über den Projektverlauf regelmäßig Feedback zu Ihren Texten gibt – gerade eine zu hohe Seitenmenge fällt erst auf, wenn es zu spät ist. Wenn die höhere Seitenzahl dann den kalkulatorischen Rahmen sprengt, müssen Sie kürzen. Und das tut richtig weh.

Wie fangen Sie an?
Bevor Sie auch nur eine Zeile schreiben, müssen Sie den Inhalt Ihres Manuskripts genau planen. Dafür arbeiten Sie die Gliederung aus Ihren Projektexposé (siehe Teil 2) weiter aus – hinab bis auf die dritte Überschriftenebene. Gehen Sie dabei genau so vor wie bei der Erstellung Ihrer Grobgliederung. Fragen Sie sich stets, welche Lernziele die Leser innerhalb der Kapitel erreichen müssen, um für das nächste Kapitel gewappnet zu sein. Dieses nächste Kapitel baut seinerseits auf Lernzielen auf, die Ihre Leser wiederum für das nächste Kapitel fit machen. Es ist ein bisschen so, als würden Sie aus vielen kleinen Lernkurven (den einzelnen Kapiteln) eine große Lernkurve (das fertige Manuskript) zusammenbauen.

Das Inhaltsverzeichnis als Skizze Ihres Buches
Diese Feingliederung wird in großen Teilen dem späteren Inhaltsverzeichnis Ihres Buches entsprechen. Und je aussagekräftiger dieses Inhaltsverzeichnis ausfällt, desto einfacher machen Sie den Kunden die Entscheidung für Ihr Buch. Achten Sie also jetzt schon darauf, in Ihren Überschriften Verben und das im jeweiligen Absatz wichtigste Schlüsselwort zu verwenden. Wenn nötig, untergliedern Sie Ihren Inhalt stärker, aber ohne ihn zu zergliedern (viele Fachbuchverlage erlauben bis zu fünf Überschriften, was ich für zu kleinteilig halte). Ihr Inhaltsverzeichnis soll beim Reinblättern/-klicken übersichtlich wirken und einen schnellen, skizzenartigen Überblick über den Buchinhalt erlauben.

Schreiben Sie immer mit einem Auge auf diesem Gerüst und halten Sie sich an die hier formulierten Lernziele (es sei denn, Sie müssen im Sinne des übergeordneten Lernzieles vom gesteckten Pfad abweichen). Wenn eine Information nicht zum Lernziel beiträgt, verzichten Sie auf sie. Wenn eine Information relevant, aber zu umfangreich ist, referenzieren Sie sie später im Text über einen URL.

Übrigens ist es eine gute Idee, anhand der Feingliederung noch einmal Ihren Zeitplan durchzugehen. Welche Kapitel schreiben sich schneller, wo stecken die Zeitfresser? Natürlich müssen Sie nicht chronologisch schreiben, Ihre Feingliederung erlaubt Ihnen auch, zu springen. Jedes Manuskript hat seine Pflicht- und seine Kürkapitel – teilen Sie sich beides abhängig von Ihrer persönlichen Schreibform ein (ohne dabei mehrere Baustellen aufzumachen).

Wie Sie schreiben
Gerade wenn Sie das erste Mal für eine große Leserschaft schreiben, wird es Ihnen schwer fallen, den richtigen Ton zu treffen. Wie kommt beim Leser an, wie & was Sie schreiben? Lassen Sie sich von diesem Gedanken nicht einschüchtern. Flüchten Sie sich nicht in einen unpersönlichen, womöglich akademischen Schreibstil. Sie sind Autor, nicht Professor. Und als solcher sprechen Sie mit Ihren Lesern auf Augenhöhe, nicht vom Podest herab. Ihre Autorität als Autor steht und fällt mir Ihrer Fähigkeit, verständlich zu erklären.

Für Ihren Stil heißt das: schreiben Sie kurze, verständliche Sätze (mit nicht mehr als einem Nebensatz), vermeiden Sie passive Konstrukte, sprechen Sie Ihre Leser direkt an. Folgen Sie der in Ihrem Gebiet etablierten Fachsprache (denn auch die sollen Ihre Leser erlernen), aber vermeiden Sie Slang. Seien sie locker, ohne flapsig zu sein. Formulieren Sie ruhig mal aus der Ich-Perspektive, um als Autor präsent zu sein. Und seien Sie authentisch – in Zeiten sozialer Netzwerke ist Ihre Persönlichkeit als Autor nach Ihrem Wissen Ihr höchstes Gut. Gerade, wenn Sie Ihr Buch als Marketinginstrument einsetzen wollen, sollen Sie darin auch mit Ihrer eigenen Stimme sprechen. Sie wollen wiedererkennbar sein.

Leser sind Gesprächspartner
Vielleicht hilft es Ihnen beim Schreiben, wenn Sie sich einen einzelnen Ihrer Leser als Gesprächspartner vorstellen. Schreiben Sie so, als würden Sie mit ihm sprechen. Ihr Leser ist interessiert und willens, Ihnen zuzuhören. Seine Aufmerksamkeit ist kostbar und begrenzt. Kommen Sie auf den Punkt und lockern Sie Ihre Texte z.B. durch Praxisbeispiele auf, anstatt Ihren Leser mit Hintergründen und Exkursen zu langweilen. Überprüfen Sie das Geschriebene: können Sie noch genauer und kompakter formulieren? Schaffen Sie durch Ausblicke sowie Vor- und Rückbezüge Orientierung im Stoff. Bieten Sie Belohnungen für Ihre Leser an, indem Sie Erfolgserlebnisse schaffen – entweder mit kleinen Workshops, Wissensüberprüfungen oder (wenn das Buchformat nichts anderes erlaubt) einem Rückblick auf das schon Gelernte. Nichts ist für Ihre Leser motivierender als den eigenen Lernerfolg zu sehen.

Einmal auf auf Augenhöhe mit Ihren Lesern, können Sie viel leichter deren Sicht der Dinge einnehmen. Ihnen als Experten mag es merkwürdig vorkommen, Ihr Wissen durch die Leserbrille zu betrachten – tatsächlich ist es Ihre einzige Chance, relevant zu sein (Sie erinnern sich?). Wissen zu vermitteln heißt heute: Wissen zielgruppengerecht aufbereiten. Sonst kann Ihre Zielgruppe ja gleich googlen. Versuchen Sie daher so gut wie möglich, sich in Ihre künftigen Leser hineinzuversetzen und zu verstehen, was genau sie warum lernen müssen.

Halten Sie Ihre Leser bei (Lern-)Laune. Wer gern lernt, lernt leicht. Und genau das wollen Sie als Autor: Ihren Lesern das Lernen leicht machen. Auch wenn Sie selbst sich Ihr Wissen mit viel Zeit & Mühe angeeignet haben – Ihre Leser sollen es besser haben!

Bevor Sie anfangen: ein paar Tipps
Mit dem Schreiben ist es wie mit allen anderen kreativen Tätigkeiten: für den Erfolg braucht es sehr viel Disziplin und Planung. Wenn Sie zum ersten Mal ein Buch schreiben, könnten Ihnen die folgenden Tipps helfen:

  • Setzen Sie sich feste Zeiten, zu denen Sie möglichst ungestört schreiben können. Befolgen Sie diesen Zeitplan, auch wenn Sie keine Lust zum Schreiben haben.
  • Planen Sie in Ihrem Zeitplan einen großen Puffer ein. Egal, an welchen Zeitraum sie denken: verdoppeln Sie ihn. Zum Ende hin wird die Arbeit am Manuskript immer komplexer und mühsamer, d.h. Sie werden nicht die inhaltlichen Fortschritte wie zu Beginn machen. Setzen Sie für diesen Puffer nicht auf Urlaube oder Feiertage – Buch hin oder her, Sie brauchen Ihre Erholungszeiten (und Ihre Familie oder Partner brauchen Sie).
  • Wenn Ihnen das Schreiben leicht fällt, schreiben Sie, soviel Sie können. Es kommen auch andere Zeiten. Und wenn Sie mal eine Schreibblockade lähmen sollte, finden Sie auf dem Blog von „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann wertvolle Tipps zur Re-Mobilisierung.
  • Formatieren und indizieren Sie nicht beim Schreiben – dies und andere formale Dinge wie den Einsatz der Rechtschreibprüfung sollten Sie sich für die weniger kreativen Momente aufheben, in denen es mit dem Schreiben nicht so gut klappt. Idealerweise formatieren und indizieren Sie Ihr Manuskript zum Schluss (außer für das Probekapitel) – dann haben Sie den besten Überblick über das Geschriebene.
  • Lesen Sie Ihre Texte nicht zu oft gegen – sonst verlieren Sie das Gefühl für den Inhalt. Geben Sie den Text lieber anderen zum Gegenlesen.
  • Überprüfen Sie regelmäßig, wie Sie mit dem Geschriebenen im Zeitplan stehen. Informieren Sie Ihren Lektor rechtzeitig, wenn die Zeit nicht reichen wird – kurz vor der Manuskriptabgabe kommt die Info zu spät, denn dann ist Ihr Buchprojekt schon im Werbevorlauf.
  • Starten Sie nicht mit der Einleitung (die schreiben Sie zum Schluss).
  • Stellen Sie sich beim Schreiben Ihre Leser vor – als konkrete Vertreter Ihrer Zielgruppe, mit einem Gesicht, einer Vita und einem Lernziel. Dies kann Ihnen helfen, sich beim Schreiben auf die wirklich relevanten Inhalte zu fokussieren.

Zwischen diesem und dem nächsten Artikel liegt die Arbeit des Manuskriptschreibens. Wenn Sie die erfolgreich hinter sich gebracht, Ihre Korrekturen zu den Satzfahnen beigesteuert und vielleicht schon die Belege Ihres Buches erhalten haben, ist Ihr Buchprojekt aber noch nicht beendet. Denn nun können Sie mit Ihrem Buch und Ihrem Verlag arbeiten – und darum geht es im nächsten und letzten Artikel dieser Blogserie.

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (3): Verlag suchen und finden

Category : Fachbuch · No Comments · by 17. Februar 2014

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Die nächsten Beiträge:

Mit Ihrer Gliederung und den Ergebnissen Ihrer Marktanalyse können Sie nun auf Verlagssuche gehen. Sprechen Sie nur mit Verlagen, die zu Ihrem Thema passen und noch kein Buch wie das von Ihnen angedachte im Programm haben (Sie haben sich ja bei Ihrer Amazon-Recherche in Teil (1) die Verlage notiert …?).

Einen Ansprechpartner finden
Am einfachsten ist es, auf Ihrem oder dem Regal Ihres Buchhändlers die Impressumsseiten der Bücher Ihrer Wunschverlage nach Lektoratskontakten zu durchsuchen. Oder Sie suchen auf den Webseiten der Verlage nach Stichworten wie „Autor werden“, „Lektorat“ etc. Wenn Sie hier nicht fündig werden, suchen Sie bei XING oder LinkedIn nach Ansprechpartnern – oder googlen einfach. Haben Sie dann alle gewünschten E-Mail-Adressen oder sogar Telefonnummern, treten Sie – gut vorbereitet – in Kontakt. Schildern Sie dem Lektor Ihre Buchidee, skizzieren Sie die Zielgruppe und argumentieren Sie mit den Ergebnissen Ihrer kleinen Marktforschung. Ist der Lektor interessiert, mailen Sie ihm direkt nach dem Gespräch Ihre Gliederung (mit ein paar Infos, die Ihre Kompetenz unterstreichen). Vereinbaren Sie eine Evaluierungsfrist und haken Sie erst nach, wenn diese ohne Rückmeldung verstrichen ist.

Der Entscheidungsweg im Verlag
Ist der Lektor interessiert, ist das aber noch keine Zusage. Trotzdem wird er mit Ihnen schon die Eckwerte des Projekts, den Zeitplan, das Abgabeformat (meist MS Word) sowie Ihr Honorar verhandeln, um das Projekt auf sein wirtschaftliches Potential hin durchrechnen zu können. Diese Projektkalkulation bildet zusammen mit Gliederung und Marktanalyse das Exposé, das der Lektor dann der Verlagskonferenz vorlegt. Die Verlagskonferenz setzt sich in der Regel aus den führenden Köpfen von Lektorat, Marketing und Vertrieb sowie der Verlagsleitung zusammen und entscheidet über Zu- oder Absage (auch für erfahrene Lektoren nicht immer vorhersehbar). Unterstützen Sie Ihren Lektor im Vorfeld der Verlagskonferenz mit Informationen und stärken Sie seinen Glauben an das Projekt. Ihr Lektor ist ein Stück weit Ihr Verbündeter und sollte von Ihrer Buchidee überzeugt sein. Davon kann abhängen, ob eine Ablehnung seines Projektvorschlags durch die Verlagskonferenz das Ende für Ihre Buchidee bedeutet – oder aber eine erfolgreiche Wiedervorlage nach Änderung einiger Eckwerte.

Verhandeln Sie alle relevanten Punkte durch, bevor Ihr Lektor mit Ihrem Projekt in die Verlagskonferenz geht. Hier die wichtigsten:

  • Honorar (prozentuale Beteiligung am Umsatz oder Festhonorar? wenn prozentuale Beteiligung, gibt es dann für eBooks mehr Honorar? wichtig für das Honorar sind natürlich der Buchpreis und die voraussichtlich verkaufte Auflage, siehe dazu die Exkurse zu Autorenvertrag sowie Buchpreis und Honorar; außerdem: wann zahlt der Verlag aus – quartärlich, halbjährlich, jährlich? und: gibt es einen Vorschuss? dieser wird in der Regel mit dem Honorar verrechnet, sollte aber niemals rückzahlbar sein)
  • Ausstattung (Seitenzahl, Format, Schwarzweiß/Farbe, Papierqualität Offset oder Bilderdruck, Hardcover/Broschur, Umschlag, zusätzliche Medien wie CD/DVD, Einlegekarte, Website zum Buch etc. – vieles hiervon liegt in der Entscheidung des Verlages, Sie als Kenner der Zielgruppe Ihres Buches können diese allerdings maßgeblich beeinflussen; argumentieren Sie auch mit der ggf. besser ausgestatteten Konkurrenz)
  • Buchpreis (mit bestimmend für Ihr Honorar, seine Festlegung ist aber Sache des Verlages)
  • Auflage (der Verlag wird sich von Ihnen auf keine Auflage festlegen lassen – allerdings haben Sie ein Recht darauf, die Auflagenhöhe zu erfahren, denn sie ist ebenfalls mit bestimmend für Ihr Honorar; wichtig ist die „voraussichtlich verkaufte Auflage“, mit deren Absatz der Verlag über die Lebenszeit des Buches tatsächlich rechnet – wenn der Verlag Ihnen beispielsweise eine Honorarstaffel anbietet, bei der Sie ab 2.000 verk. Ex. 2% mehr Honorar erhalten, ist dies nur interessant, wenn der Verlag selbst an diesen Mehrabsatz glaubt; schließlich könnte der Verlag auch so wenig drucken, dass Sie weder eine gute Sichtbarkeit im Handel noch ein gutes Honorar erhalten; außerdem interessant ist, wieviele E-Books der Verlag zu verkaufen glaubt – das Thema Auflage spielt hier natürlich keine Rolle:))
  • Eigenbelege (unabhängig davon, ob Sie 5, 10 oder mehr kostenlose Exemplare Ihres Buches vom Verlag erhalten – Ihr Lektor wird Ihnen sicher gern ab und zu ein weiteres zuschicken; für größere Bestellungen sollten Sie einen Autorenrabatt von mindestens 30% erhalten)
  • Ausnahmeklauseln im Vertrag (wenn Sie beispielsweise Teile des Inhaltes für eigene Zwecke parallel verwenden oder sich Rechte für eine bestimmte Sprache vorbehalten möchten)

Rechnen Sie insgesamt mit mehreren Wochen, bis eine Entscheidung gefallen ist. Bieten Sie parallel bei anderen Verlagen an, sagen Sie dies offen und bitten Sie dort solange um Aussetzung der Entscheidungsprozesse. Mehrere Zusagen zum gleichen Projekt sind keine komfortable Verhandlungsposition, sondern beschädigen das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und den Verlagen.

Wenn der Verlag absagt
Wenn der Lektor (oder die Verlagskonferenz) Ihre Buchidee ablehnt, gehen Sie zum nächsten Verlag auf Ihrer Liste und führen das gleiche Gespräch oder den gleichen Mailwechsel von vorn. Geben Sie nur auf Nachfrage zu, dass Ihr Vorschlag anderorts schon mal abgelehnt wurde (es hängt vom Selbstbewusstsein des Lektors ab, wie weit er sich an der Konkurrenz orientiert). Zeigen Sie sich offen für Änderungen bei Thema und Gliederung. Fragen Sie auch nach Themen, die für den Verlag interessant sind – vielleicht ist etwas für Sie dabei? Wenn Sie auf diesem Wege ein erfolgreiches Debüt geben und so das Vertrauen des Verlags gewinnen, läßt er Sie Ihre Buchidee vielleicht im zweiten Anlauf verwirklichen.

Wenn Sie auch nach mehreren Gesprächen keine Zusage erhalten, können Sie Ihre Buchidee immer noch als Selfpublisher umsetzen. Mit entsprechendem Budget können Sie auch eine kleine Auflage drucken lassen, die Sie auf Bestellung (z.B. über Amazon oder Ihre Website) verschicken. Ich kenne mindestens zwei Autoren, deren Bücher sich auf diesem Wege so gut verkauften, dass sie schließlich doch einen großen Verlag fanden.

Wenn der Verlag zusagt
Gibt die Verlagskonferenz grünes Licht, nimmt Sie der Verlag unter Vertrag, gibt Ihrem Projekt einen Slot in der Programmplanung sowie eine ISBN und stattet Sie mit einigen Formalia wie ggf. Autorenleitfaden, Dokumentvorlagen etc. aus. Und dann können Sie loslegen. Darum geht es dann im nächsten Artikel.

Wie ein Verlag aufgebaut ist
Damit hätten Sie Ihr Zwischenziel, einen Verlag zu finden, erreicht. Weil es Ihrer Zusammenarbeit mit diesem helfen wird, wenn Sie etwas über die an Ihrem Buchprojekt beteiligten Abteilungen wissen, hier abschließend ein kurzer Überblick:

Marketing – hier werden die Social Media-Präsenzen des Verlags gepflegt, die Werbetexte aus dem Lektorat für Website und Katalog aufbereitet, Anzeigen entworfen und geschaltet, Kooperationen mit Zeitschriften und Websites aufgesetzt, Stände für Messen und Konferenzen gebucht, Pressebelege verschickt u.v.a.m.

Erwarten Sie kein Einzeltitelmarketing, das gibt es nur für Bestseller. Packen Sie statt dessen bei der Vermarktung Ihres Buches mit an – in den sozialen Netzwerken, auf Konferenzen, bei den Treffen der Communities. Vielleicht gibt es auch Dritte – Experten, die exponierter sind als Sie –, die bereit sind, Ihr Buch zu bewerben (etwa, weil sie ein Vorwort dazu schreiben)? Die dafür notwendigen Belege sollte Ihnen Ihr Verlag immer kostenlos zur Verfügung stellen.

Vertrieb – hier wird Ihr Buch in den Handel gebracht, sprich: in die geeigneten Buchhandlungen und natürlich in den Online-Handel (Amazon.de etc.). Dazu betreuen entweder Key-Account-Manager im Verlag ihre Ansprechpartner im Handel oder ein Außendienstteam reist mit einer Verkaufsmappe durch die Buchhandlungen. Auch der verlagseigene Webshop und die Steuerung der E-Book-Distribution sind hier aufgehängt. Je nach Ausrichtung des Verlages kann es auch einen Direktvertrieb geben, der an Kunden (häufig Firmen oder Bildungsträger) verkauft, ohne über den Zwischenhandel zu gehen.

Vertrieb und Marketing bewerben Ihr Buch ca. zwei bis drei Monate vor Erscheinen. In diesem Werbevorlauf sollte sich Ihr Buch nicht mehr verschieben (tatsächlich sollte Ihr Manuskript dann schon auf dem Weg in den Satz sein). Die in diesem Zeitraum auflaufenden Bestellungen werden Vormerker genannt und bestimmen die Höhe der Erstauslieferung bei Erscheinen Ihres Buches.

Natürlich ist Ihr Verlag dankbar für jede Hilfe, die zum erfolgreichen Vertrieb beiträgt (z.B. Firmenkontakte, über einen Affiliate-Link auf Ihrer Website generierte Bestellungen, wenn Sie die Bücher bei Schulungen als Bonus mitgeben etc.). Das Schöne daran: durch den Wegfall der Händlerspanne verdienen Sie mehr pro verkauftem Exemplar. Aber: direkt dürfen Sie selbst keine Bücher verkaufen (dafür müssten Sie Buchhändler oder Verlag sein). Und der Preis ist immer der vom Verlag festgelegte (gesetzliche Buchpreisbindung). Es sei denn, Sie schnüren ein Bundle aus z.B. einer Schulung und Ihrem Buch (das preislich nicht extra deklariert wird).

Herstellung – hier wird aus Ihrem Manuskript ein Buch. D.h. hier werden Satz und Druck und meist auch die Erstellung von E-Books koordiniert. In manchen Verlagen werden hier auch die Grafiker für Cover und Abbildungen gesteuert. Ab dem Moment, in dem Ihr Lektor Ihr Manuskript bei der Herstellung einreicht, dauert es noch sechs bis acht Wochen bis zu seiner Veröffentlichung als gedrucktes Buch (Satz- und Druckphase sind etwa gleich lang).

Beachten Sie, dass Ihre Inhalte ab Satzbeginn nicht mehr von Ihnen, sondern nur noch vom Setzer editiert werden können. Änderungen in dieser Phase sind also zeit- und kostspielig. Das Ergebnis – die erste Satzfahne – sollten Sie aber ansehen dürfen. Erst hier sehen Sie Ihre Inhalte so, wie sie später im Buch erscheinen.

Lektorat – steuert den Projektverlauf bis zur Übergabe des fertigen Manuskripts an die Herstellung. D.h. Ihr Lektor hält nicht nur den Kontakt zu Ihnen als Autor, sondern koordiniert auch Fachlektoren und Gutachter sowie sprachliche Korrektoren und fungiert als Ihre Schnittstelle in den Verlag (übergehen sie ihn also nicht). Abhängig von der Arbeitsweise des Verlages kann ein Lektor zu seinen Kompetenzen als Projektmanager auch hohe fachliche Qualitäten mitbringen und so sehr tief in die Arbeit am Inhalt einsteigen.

Backoffice – hierunter fallen neben der Buchhaltung (die Ihre Verkäufe erfasst und ggf. auch die Honorarabrechnungen verschickt) und der Lizenzabteilung (die Ihren Inhalt zur Übersetzung anbietet) auch noch andere Abteilungen, die für Sie als Nicht-Angestellter nicht relevant sind. Ist Ihr Verlag Teil eines größeren Verlagsgeschäfts oder sogar -Konzerns, befindet sich das Backoffice evtl. gar nicht unter dem gleichen Dach.

All diese Verlagsabteilungen und -mitarbeiter arbeiten mit Ihnen für Ihr Buch (und die in der Regel externen Dienstleister wie Grafiker und Drucker sind hier nicht mal aufgeführt). Denken Sie daran, dass von Ihnen verursachte Änderungen im Projektverlauf – z.B. terminliche Verschiebungen – nicht nur die hier genannten Abteilungen, sondern auch den Verlag als Ganzes treffen. Denn er hat zwar in Ihr Projekt investiert (Personalkosten, evtl. Vorschusszahlung, Kosten für Coverentwurf etc.), kann aber das fertige Produkt nicht so früh wie geplant verkaufen. Gerade bei zeitkritischen Themen (etwa wenn Sie zu einer versionsabhängigen Software schreiben) können solche Verschiebungen zu einer wirtschaftlichen Neubewertung des Projekts und ggf. auch zu seiner Stornierung führen.

 

Wie Sie ein Fachbuch schreiben (2): Thema und Lesernutzen

Category : Fachbuch · (2) Comments · by 11. Februar 2014

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Warum ist es so schwierig, einen Verlag zu finden? Einerseits, weil Verlage wählerisch sein müssen. Ein Verlag finanziert per Definition Buchprojekte vor, lange bevor der (erhoffte) wirtschaftliche Erfolg eintritt. Andererseits, weil die meisten von Autoren eingereichten Projekte entweder nicht in das Programm des jeweiligen Verlages passen oder gleich komplett am Markt vorbeigehen. Wie (fast) immer gilt: der Markt ist (fast) alles. Und, leider: Fachbücher können keine Nachfrage schaffen, sondern nur auf sie reagieren. Wonach suchen Fachbuchverlage also? „Nach dem richtigen Buch vom richtigen Autor zum richtigen Zeitpunkt“. – Büchermachen kann so einfach sein.

Seien Sie relevant: Thema & Nutzen
Aber dieser Spruch ist nicht ganz so blöd, wie er klingt. Im Markt heißt „richtig“ nichts anderes als „relevant“. Wenn Sie also der richtige Autor mit dem richtigen Buch sein wollen, müssen Sie und Ihr Wissen für Ihre Leser relevant sein. Das ist beim Fachbuch gar nicht so schwer, denn die Themen sind in der Regel schon da und Ihnen vermutlich bekannt (z.B. in Gestalt technologischer Trends). Die eigentliche Arbeit besteht darin, zwei Dinge herauszufinden – nämlich 1) welches dieser Themen Potential hat und 2) wo genau der Wissensbedarf zu diesem Thema liegt.

Hat das Thema Potential?
Ein Thema mit Potential für Buchverkäufe entsteht meist am Konvergenzpunkt mehrerer technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen und wird so mit einem Male breitentauglich. Ein paar (im Rückblick stark vereinfachte) Beispiele aus meinen eigenen Erfahrungen der letzten Jahre mit sog. „Computerbüchern“:

  • PCs /Laptops in (so gut wie) jedem Haushalt + erschwingliche & leistungsfähige Digitalkameras + aufkommende Bearbeitungssoftware + Sharing-Plattformen = digitaler Fotografie-Boom (auch an den SLR-Boom der 80er anknüpfend)
  • Online-Sozialisierung der Nutzer durch bundesweiten Netzausbau (DSL) + Erfolg mächtiger Kommunikationsplattformen wie Facebook und Twitter + Verbreitung von Smartphones = Social Media-Boom
  • Wachsende Mobilität (Pendler/Reisen) + preiswerte Lesegeräte und Inhalte + 24/7-Shop mit einfachster Bedienung = E-Book-Boom

Kontext
Diese Auflistung sagt nicht, dass Sie lediglich 1+1+1 zusammenzählen müssen, um Themen mit Potential zu finden. Aber sie sagt, dass Sie das Potential eines Themas nur in seinem Kontext beurteilen können. Fragen Sie sich immer: Gibt es verwandte Themen, zu denen bereits erfolgreiche Titel erschienen sind? Gab es ähnliche Konstellationen oder Entwicklungen in der Vergangenheit? Vergleiche Sie das Suchaufkommen zu diesen und Ihrem Thema auf Google Trends. Welche Entwicklungen gibt es in der Community zum Thema? Gibt es Firmen, die das Thema aus eigenem Interesse fördern müssen (z.B. Software-Hersteller oder Trainingsfirmen)? Seinen Sie vernetzt, schöpfen Sie Ihre Informationen aus verschiedenen und möglichst maßgeblichen Quellen.

Timing
Da sich alle diese Themen über lange Jahre entwickelt haben – oft  vom (kleinen, aber ggf. hochpreisigen) Profimarkt in den (großen, aber preissensiblen) Breitenmarkt – ist Timing sehr wichtig. Denn ob Sie mit Ihrem Buchprojekt erfolgreich sind, hängt davon ab, dass es weder zu früh noch zu spät erscheint. Werfen Sie einen Blick auf den viel zitierten Gartnerschen Hypecycle: erst im letzten Drittel wird zuverlässig Geld verdient. Wenn Sie „Erster sein“, also während des Hypes auf dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ einsteigen wollen, brauchen Sie eine gute Intuition, viel Glück und starke Nerven. Hier konkurrieren Sie außerdem mit schnellen Medien wie Zeitschriften und natürlich dem Internet.

Wenn Sie nicht Erster sein können, versuchen Sie Bester zu sein. Es gibt viele Beispiele für äußerst erfolgreiche Fachbücher, die später erschienen sind als die Konkurrenz, und den Markt dann von hinten aufgerollt haben. Eben, weil sie das für ihre Zielgruppe bessere Angebot machten. (Eine Ausnahme hiervon sind Fachbücher, die einem bestimmten Veröffentlichungsrhythmus folgen müssen – etwa dem Semestertakt an Unis und Fachhochschulen oder den Releasezyklen der Softwarehersteller.)

Wissensbedarf = Lesernutzen
Denn hier liegt – natürlich – das eigentliche Potential Ihrer Buchidee: in der richtigen Ausrichtung des Themas, um den von ihrer Zielgruppe gewünschten Wissensbedarf zu decken. Je besser Ihre Buchidee auf die Erfüllung dieses Lesernutzens abzielt, desto größer ihre Chance auf kommerziellen Erfolg (und damit auf Umsetzung durch einen Verlag).

Dazu müssen Sie das Lernverhalten Ihrer künftigen Leser gut einschätzen können. Haben Sie es bei diesem Thema mit Einsteigern zu tun, die nach einer Einführung ins Thema gut auf anderen Wegen weiter kommen? Dann sollten Sie tiefer ansetzen, Grundwissen und Handwerkszeug vermitteln und für erste Erfolgserlebnisse sorgen. Oder erlaubt Ihnen die Breite des Themas, Ihre Buchidee so zu fokussieren, dass Sie für Quasi-Experten schreiben? Dann besteht die Herausforderung für Sie darin, gerade das richtige Maß an Vorwissen vorauszusetzen und für Ihre Buchidee die richtigen Themen auszuwählen.

So oder so – optimal ist es, wenn Sie bereits in Kontakt mit Ihrer Zielgruppe stehen – als Trainer, Dozent, Sprecher, über Social Media oder andere Kanäle.

Eine erste Skizze Ihrer Buchidee
Entwickeln Sie Ihre Buchidee also durch die Leserbrille. Denken Sie in Lernzielen. Wo stehen Ihre Leser zu Beginn des Buches und was sollen sie am Ende können (können, nicht nur: wissen)? Füllen Sie den Raum zwischen Anfang und Ende dieser Lernkurve mit in sich geschlossenen Lernschritten. Fragen Sie sich bei jedem Schritt: ist diese Information für den Leser relevant zur Erreichung seines Zieles? Erstellen Sie so eine erste Gliederung – die Lernschritte sind Ihre Kapitelüberschriften, und mehr als diese erste Ebene brauchen Sie erstmal nicht.

Denken Sie auch an die Ergebnisse Ihrer Amazon-Recherche weiter oben – haben Sie sich die Bestseller zu Ihrem Thema näher angeschaut? Wie gehen deren Autoren die Sache an (werfen Sie einen Blick in die Inhaltsverzeichnisse – oft auf den Webseiten der Verlage einsehbar)? Wie macht sich Ihre Projektskizze im Vergleich dazu? Liegt Ihre eigene Seitenschätzung zu hoch oder zu niedrig? Überarbeiten Sie danach ggf. noch einmal Ihre Gliederung. Danach sind Sie eigentlich startklar.

Denn: Verlage bzw. Lektoren erwarten nicht, dass Sie ein fertiges Manuskript vorlegen, im Gegenteil: es wäre nur schwer bis gar nicht in das Verlagsprogramm integrierbar. Viele Fachbuchverlage arbeiten mit Reihen oder Clustern, die eine einheitliche Herangehensweise und inhaltliche Struktur voraussetzen. Solitäre tun sich schwer im Programm und bleiben oft Fremdkörper – von der Entwicklung des Buches bis zu Vermarktung und Vertrieb. Entscheidend für Lektor und Verlag wird vielmehr sein, ob Sie mit Ihrer Buchidee ein umsatzstarkes Thema auf eine besonders zielgruppengerechte Weise angehen. Das richtige Buch zum richtigen Thema zum … Sie wissen schon: Relevant sein.

Im nächsten Artikel nehmen Sie Ihre Buchidee (und noch ein, zwei andere Infos) und ziehen los, einen Verlag zu finden.